Im Streit um die zunehmende Migration über den Ärmelkanal verschärft Frankreich seinen Kurs: Künftig soll die französische Küstenwache bereits auf offener See gegen Schleuserboote vorgehen, noch bevor diese Migranten aufnehmen. Das berichtet die Präfektur für den Ärmelkanal und die Nordsee laut „Le Parisien“.
Die neuen „Einsatzmaßnahmen“, die „in Kürze“ beginnen sollen, richten sich gegen die sogenannten „Taxi-Boote“ – kleine Motorboote, mit denen Schleuser Migranten von Nordfrankreich nach Großbritannien bringen.
Der entscheidende Unterschied:
Die Boote sollen gestoppt werden, solange sie noch leer sind, also bevor sie zu den üblichen Sammelpunkten der Migranten gelangen. Dadurch soll verhindert werden, dass gefährliche Überfahrten überhaupt erst beginnen.
Nach Angaben der Zeitung komme der entschlossene Schritt nicht zuletzt auf Druck aus London. Großbritannien fordert seit Jahren stärkere Maßnahmen, um die Überfahrten zu reduzieren. Die Zahl der Menschen, die in kleinen Booten über den Ärmelkanal gelangen, bleibt trotz Millioneninvestitionen in Grenzschutz hoch.
Frankreich betont zugleich, man wolle die lebensgefährlichen Passagen stoppen, bei denen immer wieder Menschen ertrinken oder verletzt werden.
Die Migration über den Ärmelkanal ist seit Jahren ein politisches Reizthema:
Großbritannien wirft Frankreich vor, nicht genug zu tun.
Frankreich kritisiert London für eine Asylpolitik, die Migranten „magnetisch anziehe“.
Zwischen beiden Ländern gibt es seit Jahren Abkommen, gemeinsame Patrouillen und finanzielle Hilfen.
Die bevorstehenden Maßnahmen könnten der britischen Regierung signalisieren, dass Paris bereit ist, härter durchzugreifen – wohl auch, um diplomatische Spannungen zu entschärfen.
Hilfsorganisationen warnen jedoch, dass ein härteres Vorgehen auf See das Risiko für Migranten weiter erhöhen könnte:
Routen könnten gefährlicher werden,
Schleuser könnten auf improvisierte Boote ausweichen,
Migranten könnten zu riskanteren Zeitpunkten starten.
Frankreich sendet ein deutliches Signal: Die Schleuserrouten über den Ärmelkanal sollen bereits vor dem Ablegen unterbunden werden. Ob die neue Strategie die gefährlichen Überfahrten wirksam reduzieren kann – oder lediglich zu neuen Risiken führt –, wird sich in den kommenden Wochen und Monaten zeigen.
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