Paramount verschärft seinen Übernahmeversuch des Medienkonzerns Warner Bros. Discovery (WBD) und bringt den Streit vor Gericht. Am Montag reichte Paramount-CEO David Ellison eine Klage am Delaware Chancery Court ein – jenem Gericht, das für Unternehmens- und Aktionärsstreitigkeiten zuständig ist. Ziel ist die feindliche Übernahme von WBD, dem Mutterkonzern von CNN.
Ellison kritisierte die Entscheidung von WBD, das Kaufangebot von Netflix für Warner Bros. und HBO zu bevorzugen, als „mangelhaft transparent“. Paramount hatte ein höheres Angebot abgegeben – 30 US-Dollar pro Aktie in bar – im Vergleich zu Netflix’ Angebot von 27,75 US-Dollar, von dem nur 23,25 Dollar bar gezahlt werden sollen. Der Rest soll in Netflix-Aktien erfolgen.
Parallel zur Klage verschickte Paramount ein Schreiben an die WBD-Aktionäre. Darin kündigt das Unternehmen an, bei der für 2026 geplanten Hauptversammlung neue, Paramount-freundliche Mitglieder für den Verwaltungsrat nominieren zu wollen – ein klassischer Stellvertreterkampf (Proxy Fight). Diese neuen Direktoren sollen WBDs vertraglich zugesicherte Möglichkeit nutzen, auch mit Paramount über einen Verkauf zu verhandeln.
Damit fährt Paramount zweigleisig: Einerseits versucht man, direkt Anteile aufzukaufen; andererseits soll ein möglicher Umbau des Verwaltungsrats die strategische Kontrolle über WBD sichern, sollte nicht genügend Unterstützung von Aktionären für das Übernahmeangebot kommen.
WBD hat sich bislang öffentlich nicht zu den Vorwürfen geäußert. Das Unternehmen hält an seiner Vereinbarung mit Netflix fest und hat erklärt, die Transaktion werde wie geplant vorangetrieben. Netflix gab bekannt, derzeit in Gesprächen mit US- und EU-Regulierungsbehörden zu sein, um die notwendigen Genehmigungen einzuholen. Der Abschluss des Deals wird innerhalb der nächsten zwölf bis 18 Monate erwartet.
Die Lage bleibt unübersichtlich: Während einige WBD-Großaktionäre Paramounts Angebot als vorteilhafter einstufen, bevorzugen andere die Netflix-Vereinbarung. Zudem gibt es Kritik an der Finanzierung von Paramounts Angebot und an den angeblich strengen Bedingungen.
Ein politischer Nebenaspekt sorgt für zusätzliche Brisanz: Ex-Präsident Donald Trump äußerte sich über seine Plattform Truth Social indirekt gegen einen Netflix-Deal und verlinkte einen Kommentar mit dem Titel „Stoppt die kulturelle Übernahme durch Netflix“. Trump kündigte an, die Fusion persönlich prüfen zu wollen.
Der mediale Machtkampf zwischen Paramount, WBD und Netflix geht damit in eine neue, juristisch wie politisch aufgeladene Phase – mit ungewissem Ausgang.
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