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Pandemie, Paradoxien und Pest: „Pathologic 3“ ist ein Fiebertraum in Spielform

GwenNhyfar (CC0), Pixabay
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Willkommen in einem Kaff am Ende der Welt: In Pathologic 3, dem neuesten Werk des russischen Indie-Studios Ice Pick Lodge, kämpfen wir erneut gegen Krankheit, Wahnsinn und metaphysische Verzweiflung – diesmal mit Zeitreisebonus. Die düstere Provinzstadt am Rand der Steppe ist Schauplatz einer Seuche, die mehr Fragen als Antworten aufwirft. Und das alles fühlt sich an wie ein Roman von Dostojewski, nur mit Inventarmenü.

Das Setting? Apokalypse mit Samowar.

Irgendwo zwischen „Tschechow trifft Cronenberg“ beginnt der Horror ganz harmlos: Als junger Arzt aus der Hauptstadt besuchen wir die idyllische Kleinstadt inmitten der Steppe – fünf Tage später: Massensterben, brennende Leichenberge, martialisches Militär. Willkommen zur Sandpest 3.0. Doch was wie das düstere Finale eines Survivalspiels klingt, ist nur der Anfang: Pathologic 3 erlaubt uns, das Unheil per Zeitreise ungeschehen zu machen. Zwölf Ingame-Tage lang dürfen wir scheitern, lernen, zurückspulen und wieder scheitern – diesmal nur anders.

Déjà-vu mit Dystopie

Veteran:innen der Serie werden sich erinnern: Bereits 2005 sorgte Pathologic mit seiner kompromisslosen Mischung aus philosophischem Rollenspiel, Ressourcenknappheit und psychologischem Horror für Nischenruhm. Pathologic 2 (2019) war kein Sequel, sondern eher ein Remix mit extra Melancholie. Und nun? Teil 3 ist endlich da – noch düsterer, noch rätselhafter, noch weniger daran interessiert, ob du dich beim Spielen wohlfühlst.

Gameplay zwischen Manie und Masochismus

Du willst Zombies ballern oder Loot farmen? Dann lauf. Hier bekommst du: Gespräche mit kranken Menschen, moralische Dilemmata im Stundentakt, fragile Ressourcenverwaltung, psychische Zusammenbrüche, steinerne Gesichter und krumme Gassen, in denen mehr Parabeln als Gegner lauern.

Die Stadt lebt – allerdings eher so, wie Kafka lebt: fragmentiert, voller bedeutungsschwangerer Gespräche und mit einem konstanten Gefühl, dass du eigentlich längst verloren hast. Und genau deshalb ist es faszinierend.

Ein Spiel wie ein literarischer Alptraum

Pathologic 3 ist kein Spiel, das man „durchzockt“ – es ist eines, das man durchleidet. Und liebt. Vielleicht. Wenn man auf fragmentierte Erzählstrukturen, Bühnenmetaphern, Überlebenskämpfe mit intellektuellem Überbau und philosophischen Weltschmerz steht.

Wer Disco Elysium mochte, wird sich hier wohlfühlen – zumindest theoretisch. Denn so viel literarische Wucht ist schwer zu tragen, vor allem, wenn einem gleichzeitig das virtuelle Fieberthermometer glüht und der letzte Brotlaib geklaut wurde.

Fazit: Mehr Theaterstück als Spiel – und genau deshalb großartig

Pathologic 3 ist kein Spiel für Zwischendurch. Es ist ein künstlerisches Statement, ein nervenaufreibender Alptraum, ein postapokalyptisches Theaterstück mit interaktiven Elementen. Spaß? Vielleicht nicht im klassischen Sinne. Aber wer mit den Nerven, dem Intellekt und der Geduld ausgestattet ist, sich durch diesen fiebrigen Fiebertraum zu wühlen, wird reich belohnt – mit einer Erfahrung, die so einmalig ist wie ein Gespräch mit einem verrückten Philosophen bei 40 Grad Fieber.

Für: Mutige, Masochisten, Metaphern-Fetischisten.
Nicht für: Menschen, die schon beim Wort „Inventarmanagement“ die Augen verdrehen.

„Pathologic 3“ ist ab sofort für PC erhältlich. Und für Spieler:innen mit Geschmack am Abgründigen Pflichtprogramm.

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