Die US-Schauspielerin Melissa Leo hat in einem Interview mit der britischen Zeitung The Guardian überraschend offen eingeräumt, dass ihr Oscar-Gewinn ihrer Karriere mehr geschadet als genutzt habe. Die heute 65-Jährige wurde 2011 für ihre Nebenrolle in dem Boxerdrama The Fighter mit dem Academy Award ausgezeichnet – ein Moment, der ihre Laufbahn nicht wie erhofft beflügelte.
„Der Oscar hat weder mir noch meiner Karriere gutgetan“, sagte Leo. „Ich habe nie davon geträumt, wollte ihn nie. Meine Karriere war vor dem Gewinn besser.“ Es sind ungewöhnlich ehrliche Worte in einer Branche, in der ein Oscar oft als Karrierehöhepunkt gefeiert wird.
Vom Triumph zur Ernüchterung
Leo gewann den Oscar für ihre Rolle als energische Mutter im Film The Fighter an der Seite von Mark Wahlberg und Christian Bale – letzterer wurde ebenfalls für seine Nebenrolle ausgezeichnet. Zuvor war sie 2009 bereits für ihre Hauptrolle in Frozen River nominiert worden. Trotz des großen Erfolgs habe sie nach dem Oscar-Gewinn mit enttäuschten Erwartungen zu kämpfen gehabt.
„Ich dachte: ‚Das ist großartig! Jetzt kommt die Arbeit von allein zu mir, all diese Hauptrollen!‘“, sagte sie in einem früheren Interview mit Closer. Doch das Gegenteil sei der Fall gewesen. Stattdessen sei sie mit Frust und Desillusionierung konfrontiert worden.
Kontroverse Werbekampagne und Oscar-Fluch
Während der Oscar-Saison 2011 sorgte Leo mit einer selbst finanzierten Werbekampagne für Aufsehen. In Anzeigen bat sie die Academy-Mitglieder direkt darum, ihre Leistung in The Fighter zu berücksichtigen – ein Schritt, den viele in Hollywood als unorthodox und egozentrisch betrachteten. „Ich wusste genau, was ich tat“, verteidigte sie damals ihre Entscheidung gegenüber Deadline. „Ich hatte das Gefühl, dass meine Rolle zu wenig Aufmerksamkeit bekam.“
Auch ihre Oscar-Dankesrede wurde zum Gesprächsthema, nachdem sie während der Live-Übertragung auf der Bühne fluchte. „Ich bereue es bis heute“, sagte Leo. „Ich fluche ständig, aber im Fernsehen darf man das einfach nicht.“
Karriere nach dem Oscar
Nach The Fighter spielte Leo in Filmen wie Flight, Oblivion, Prisoners, The Equalizer und Novitiate sowie in TV-Produktionen wie I Know This Much Is True und I’m Dying Up Here. Dennoch blieb der erhoffte Durchbruch zur Hollywood-Spitzenliga aus.
„Der Oscar hat mein Leben verändert – aber nicht unbedingt zum Besseren“, resümiert sie. Heute wolle sie bewusster auswählen, welche Rollen sie annimmt, und sich selbst treu bleiben. „Ich möchte keine Projekte mehr machen, die mir oder anderen schaden.“
Karrierehöhepunkt mit bitterem Beigeschmack
Melissa Leos offene Worte werfen ein Schlaglicht auf eine wenig diskutierte Kehrseite des glamourösen Oscar-Rummels. Ihr Fall zeigt: Ein Goldjunge garantiert nicht zwangsläufig eine goldene Zukunft – manchmal bringt er auch unerwartete Lasten mit sich.
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