Der globale Hype um Künstliche Intelligenz (KI) wird zunehmend von einem komplizierten Netz aus gegenseitigen Finanzgeschäften und Beteiligungen angetrieben.
Das jüngste Beispiel: OpenAI, das wohl wertvollste private Unternehmen der Welt mit einer geschätzten Bewertung von über 500 Milliarden Dollar, hat eine neue Kooperation mit dem Chipkonzern AMD geschlossen – nur wenige Tage, nachdem Konkurrent Nvidia eine 100-Milliarden-Dollar-Investition in OpenAI angekündigt hatte.
Zudem bestehen enge Kapitalverflechtungen mit Microsoft und Google, den zweit- und viertgrößten börsennotierten Unternehmen der Welt.
„Es sieht zunehmend so aus, als würden ein paar wenige Konzerne einfach Geld und Dienstleistungen im Kreis austauschen“, schreibt CNN-Analystin Allison Morrow.
Ein riskantes Finanzgeflecht
Das neue Abkommen zwischen OpenAI und AMD trieb die Aktie des Chipdesigners um 23 % nach oben. Im Kern erhält OpenAI Optionen auf bis zu 160 Millionen AMD-Aktien – und wird damit de facto zum größten Einzelaktionär des Unternehmens.
Der Investor Paul Kedrosky bezeichnete das Modell als „Risikotransfer von Bargeld zu Aktien“ – OpenAI sei nun „gleichzeitig Kunde, Finanzier und Miteigentümer“ von AMD.
Diese Art von gegenseitiger Finanzierung, auch bekannt als „Vendor Financing“, erinnert viele Analysten an die Spätphase der Dotcom-Ära um das Jahr 2000: Damals hatten Telekom-Konzerne wie Cisco, Nortel und Lucent ihre Kunden über Kredite zum Kauf ihrer eigenen Produkte animiert – was in der Folge zu einer massiven Fehleinschätzung der realen Nachfrage und einem Markteinbruch 2001 führte.
„Die Lektionen der Dotcom-Blase sind längst vergessen – aber sie hallen nach“, warnte Mike O’Rourke, Chefstratege bei JonesTrading.
Ist die KI der neue „Pickel-und-Schaufeln“-Traum?
Lucent galt einst als „Picks and Shovels“-Investment – also als Zulieferer der Infrastruktur für den Techboom, ähnlich wie Nvidia heute im KI-Bereich. Das Unternehmen überlebte den Crash nur knapp und wurde 2006 an Alcatel verkauft.
Während einige Analysten Parallelen zur Jahrtausendwende ziehen, betonen andere – etwa Morgan Stanley – die Unterschiede:
Die heutigen Tech-Giganten seien finanziell weitaus stabiler als die überbewerteten Start-ups der 1990er-Jahre.
Die wachsende Skepsis: Wo bleibt der reale Nutzen?
Trotz des Milliardenstroms aus Investitionen bleibt die wirtschaftliche Bilanz der KI bislang ernüchternd.
Eine Studie des MIT unter 300 Unternehmen ergab, dass 95 % keinen finanziellen Nutzen aus ihren KI-Investitionen ziehen.
Zudem häufen sich Klagen über „Workslop“ – fehlerhafte oder sinnlose Texte und Präsentationen, die von generativen KI-Systemen erzeugt werden.
Auch die sozialen Risiken von Chatbots und KI-Experimenten – von Desinformation bis zu gefährlichen psychologischen Effekten – sind inzwischen gut dokumentiert.
Die Angst vor der „größten Blase aller Zeiten“
Der Analyst Julien Garran von der MacroStrategy Partnership zieht in einem aktuellen Bericht eine drastische Parallele:
„Dies ist die größte und gefährlichste Blase, die die Welt je gesehen hat.“
Er schätzt, dass die Fehlinvestitionen rund um KI in den USA 17-mal größer sind als die Dotcom-Blase und viermal größer als die Immobilienblase von 2008.
Laut Garran verlieren die meisten Unternehmen im KI-Ökosystem Geld – und nur das „Rundum-Trading“ (gegenseitige Käufe und Verkäufe) mit Nvidia halte das System derzeit künstlich am Leben.
Fazit
Der neue Deal zwischen OpenAI und AMD ist für viele ein weiteres Warnsignal:
Ein kleiner Kreis aus Technologieriesen – Microsoft, Google, Nvidia, AMD und OpenAI – hält sich durch gegenseitige Finanzbeteiligungen über Wasser, während die tatsächlichen Gewinne und Innovationen hinter den Erwartungen zurückbleiben.
Die entscheidende Frage lautet nun:
Ist Künstliche Intelligenz die Zukunft – oder nur das neue 1999?
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