Die XXV. Olympischen Winterspiele stehen kurz bevor, und das IOC feiert sich selbst – nicht etwa für sportliche Höchstleistungen, sondern für den größten Triumph in der Geschichte der Gleichstellungs-PR: 47 Prozent Frauenanteil! Applaus! Fast die Hälfte! Was für ein Meilenstein im Jahr 2026! 🎉
„Die weiblichsten Spiele aller Zeiten“, titeln erste Medien. Und man hört das IOC beinahe mit Sektgläsern klimpern – pardon, genderneutrale Mehrwegbecher. Präsidentin Kirsty Coventry ließ in einem Statement verlauten, dies seien „die geschlechtergerechtesten Winterspiele der Geschichte“. Kein Wunder: Schließlich ist Coventry selbst eine Frau – da muss das mit der Gleichstellung ja quasi klappen.
Und was macht man, wenn einem echte Fortschritte fehlen? Richtig: Man zählt einfach die Leute! 1.362 Frauen, 1.538 Männer. Wow. Fast gleich! Statistisch gesehen eine Revolution, praktisch gesehen… naja. Immerhin dürfen Frauen jetzt von der Großschanze springen und erstmals zu zweit rodeln, während Männer weiterhin in Teams mit vier Mann ihre Bob-Karrieren ausleben. Gleichberechtigung, aber bitte mit Limit.
Und klar, dass der Frauenanteil in Österreich von sagenhaften 39,6 % auf ganze 45,2 % gestiegen ist, gilt dort bereits als feministischer Frühling. Historisch wurde übrigens 1924 bereits Gleichstand erreicht – als nämlich zwei Österreicherinnen und zwei Österreicher nach Chamonix reisten. Und danach? Männer, Männer, Männer – mit Helm und Testosteron.
Natürlich bleibt eine Sportart weiterhin exklusiv männlich: die Nordische Kombination. Frauen dürfen dort zuschauen, aber nicht mitmachen – immerhin will man ja gewisse Traditionen wahren. Der Plan für die Zukunft? Entweder man lässt auch Frauen starten – oder man schmeißt die Sportart einfach raus. Effizient, modern, IOC eben.
Aber Olympia wäre nicht Olympia, wenn nicht gleichzeitig mit viel Glitzer und Buzzwords hantiert würde: Vielfalt, Chancengleichheit, sichtbare Repräsentanz, nachhaltige Gerechtigkeit. Und das alles im Design der offiziellen Olympia-Website – bunt, inklusiv, bedeutungsschwer.
Was bleibt?
Ein Hoch auf die Fortschritte, die man sich selbst bescheinigt. Und eine Medaille in Gleichstellungs-Rhetorik für das IOC.
Denn wenn die Frauen schon nicht genauso oft starten dürfen wie Männer, dann sollen sie wenigstens dabei gut aussehen – am besten im passenden genderneutralen Thermoanzug.
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