Eine BBC-Recherche hat ergeben, dass Andrew Mountbatten-Windsor – der frühere Herzog von York – im Jahr 2007 15 Millionen Pfund für sein Anwesen Sunninghill Park von einem kasachischen Oligarchen erhielt. Das Geld stammte teilweise aus einer Firma, die später mit einem groß angelegten Korruptionsskandal in Verbindung gebracht wurde.
Der Käufer des Anwesens war der kasachische Milliardär Timur Kulibajew, Schwiegersohn des damaligen Präsidenten Nursultan Nasarbajew und einflussreiche Figur im kasachischen Energie- und Staatsfondswesen. Er ließ über seine Anwälte mitteilen, dass er für den Kauf ein Darlehen der Firma Enviro Pacific Investments in Anspruch genommen habe – genau jene Firma, die von italienischen Ermittlern 2007 als Empfänger von Bestechungsgeldern identifiziert wurde.
Nur wenige Wochen nach dem letzten dokumentierten Geldfluss aus dieser Firma erwarb Kulibajew das Anwesen Sunninghill Park von Andrew – zu einem Preis, der rund 3 Millionen Pfund über dem ursprünglichen Angebot und etwa 7 Millionen über dem geschätzten Marktwert lag.
Verbindungen zu mutmaßlicher Korruption
Dokumente aus italienischen Gerichtsverfahren zwischen 2016 und 2017, die der BBC vorliegen, zeigen, dass Enviro Pacific Investments im Zentrum eines komplexen Systems zur Verschleierung von Bestechungsgeldern stand. Die Zahlungen liefen demnach über eine weitere Firma namens Aventall, die Bestechungsgelder an kasachische Beamte – darunter Kulibajew – weitergeleitet haben soll. Kulibajew wurde selbst nie angeklagt.
Ein italienischer Ölmanager, Agostino Bianchi, gestand, über Aventall Schmiergelder gezahlt zu haben. Die Ermittlungen wurden jedoch eingestellt, unter anderem weil die Geldflüsse nicht eindeutig konkreten Verträgen oder Amtsträgern zugeordnet werden konnten.
Kulibajews Anwälte betonen, ihr Mandant habe nie Bestechungsgelder angenommen oder sich an Korruption beteiligt. Die Finanzierung des Immobilienkaufs sei rein geschäftlicher Natur gewesen und das Darlehen sei später mit Zinsen zurückgezahlt worden. Kulibajew habe Enviro Pacific weder kontrolliert noch von ihr treuhänderisch vertreten worden.
Rechtliche und ethische Fragen
Experten wie Tom Keatinge vom britischen Centre for Finance and Security sprechen von „offensichtlichen Warnsignalen“, die spätestens bei der Vertragsabwicklung gründliche Prüfungen hätten auslösen müssen. Dazu zählen:
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Der überhöhte Kaufpreis
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Die Nutzung verschachtelter Offshore-Firmen
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Die Verbindung des Käufers zu einer als korrupt geltenden Regierung
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Der fehlende Hinweis auf die Identität des Käufers
Ob Andrew oder seine Berater um die Herkunft der Gelder wussten, ist nicht belegt. Es gibt jedoch keine Hinweise darauf, dass sie aktiv nachfragten oder eine sogenannte Due-Diligence-Prüfung durchführten, wie sie seit 2004 gesetzlich für Immobiliengeschäfte vorgeschrieben ist – insbesondere bei Offshore-Strukturen.
Die Anwälte der britischen Königsfamilie äußerten sich mit Verweis auf Mandatsgeheimnis nicht zu dem Fall. Auch Buckingham Palace und Andrew selbst lehnten eine Stellungnahme ab.
Ein Haus mit Geschichte – und Skandalen
Sunninghill Park war Andrew 1986 von seiner Mutter, der Queen, zur Hochzeit geschenkt worden. Der rote Backsteinbau mit zwölf Schlafzimmern wurde oft für seinen kastenartigen Baustil verspottet – man nannte ihn spöttisch „Tesco-Schloss“. Nachdem das Haus jahrelang leer stand, ließ Kulibajew es 2016 abreißen. Ein neues, modernes Anwesen wurde errichtet – doch auch dieses wurde bislang nie bewohnt.
Der Verkauf war schon kurz nach Bekanntwerden 2007 umstritten, nicht zuletzt wegen der Intransparenz rund um den Käufer. Erst Jahre später wurde Kulibajew durch Medienrecherchen als Eigentümer bekannt.
Die Enthüllungen werfen neue Fragen auf – über Andrew, über die Sorgfaltspflichten öffentlicher Personen bei Großgeschäften und über die Möglichkeiten, mit Offshore-Strukturen mögliche Korruptionsgelder in den britischen Immobilienmarkt zu schleusen.
Forderungen nach Aufklärung
Die britische Anti-Korruptionsbeauftragte Margaret Hodge zeigte sich „zutiefst schockiert“ über die Recherchen: „Es besteht der Verdacht, dass in diesem bereits umstrittenen Immobiliengeschäft Gelder aus Straftaten geflossen sind. Das muss gründlich untersucht werden – im Parlament und durch die zuständigen Strafverfolgungsbehörden.“
Auch wenn Kulibajew nicht unter Anklage steht, ist sein Name Teil eines größeren juristischen Vorstoßes der kasachischen Regierung. Diese versucht seit dem Rücktritt Nasarbajews 2019, veruntreute Vermögen im Ausland zurückzuholen. Medienberichten zufolge liefen zuletzt Verhandlungen über eine mögliche Rückzahlung von bis zu 1 Milliarde US-Dollar an den kasachischen Staat – was Kulibajews Anwälte jedoch als „falsch“ zurückweisen.
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