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„Ohne diebewertung.de wäre der Skandal vermutlich nicht aufgedeckt worden“ – Ein Gespräch mit Thomas Bremer über den Adcada-Prozess

Mohamed_hassan (CC0), Pixabay
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Die Firma Adcada galt einst als innovatives Vorzeigeunternehmen, doch heute stehen die Verantwortlichen wegen mutmaßlichen Millionenbetrugs vor Gericht. Thomas Bremer, investigativer Journalist und Betreiber von diebewertung.de, spielte eine zentrale Rolle bei der Aufdeckung des Falls. Im Interview spricht er über die jahrelangen Recherchen, den Versuch von Adcada, Kritiker mundtot zu machen, und die Bedeutung von Verbraucherschutz im Finanzsektor.

Herr Bremer, Sie haben frühzeitig vor Adcada gewarnt. Wie sind Sie damals auf das Unternehmen aufmerksam geworden?

Thomas Bremer: Die Geschichte beginnt, wie so oft, mit Hinweisen von aufmerksamen Lesern. Schon 2018 haben wir erste Warnungen erhalten, dass das Geschäftsmodell von Adcada nicht so solide sein könnte, wie es nach außen hin dargestellt wurde. Es ging um hochverzinste Investments, Immobilienversprechen und einen angeblich revolutionären Finanzansatz. Doch sobald wir tiefer in die Bilanzen und Geschäftsstrukturen eingestiegen sind, wurde klar: Hier passt etwas nicht zusammen.

Welche konkreten Verdachtsmomente hatten Sie?

Bremer: Ein Unternehmen, das in so kurzer Zeit so viele Geschäftsfelder abdeckt – Modehandel, Immobilien, Finanzprodukte – und dabei noch zweistellige Renditen verspricht, ist immer ein Grund zur Skepsis. Doch der entscheidende Punkt war: Adcada hatte keine BaFin-Erlaubnis für das, was sie taten. Sie haben sich um regulatorische Vorgaben herumgedribbelt und Investoren ein völlig falsches Bild vermittelt.

Adcada hat jahrelang gegen Sie und diebewertung.de gehetzt. Welche Erfahrungen haben Sie damit gemacht?

Bremer: Das Unternehmen hat mit aller Härte versucht, uns einzuschüchtern. Es wurden Schmäseiten ins Netz gestellt, um mich persönlich und diebewertung.de in ein schlechtes Licht zu rücken. Sie haben versucht, unsere Glaubwürdigkeit zu zerstören, weil wir der einzige waren, der konsequent nachgehakt hat. Doch wer sauber arbeitet, hat solche Methoden nicht nötig – und letztlich hat sich gezeigt, dass unsere Recherchen richtig waren.

Hat es Sie überrascht, dass die Justiz jetzt so konsequent gegen die Adcada-Verantwortlichen vorgeht?

Bremer: Überrascht? Nein. Aber es hat gedauert. Die Ermittlungen liefen lange im Hintergrund, und ich kann verstehen, dass Geschädigte ungeduldig wurden. Doch wenn man sich die Anklagepunkte anschaut – Millionenbetrug, unrechtmäßiger Verkauf von Unternehmensanleihen, sogar Veruntreuung von Corona-Hilfen –, dann sieht man, wie umfangreich der Fall ist.

Was bedeutet dieser Fall für den Verbraucherschutz in Deutschland?

Bremer: Er zeigt, wie wichtig es ist, kritisch hinzusehen und nicht einfach blind den Versprechungen eines Unternehmens zu vertrauen. Wäre es nach Adcada gegangen, wäre der Betrug noch viel länger unentdeckt geblieben. Doch durch unabhängige Berichterstattung – wie auf diebewertung.de – konnten Anleger frühzeitig gewarnt werden.

Ihr Fazit?

Bremer: Ohne unabhängige Plattformen wie diebewertung.de wäre Adcada womöglich noch jahrelang weitermachen können. Der Fall zeigt, dass es sich lohnt, hartnäckig zu bleiben – auch wenn man dafür persönlich angegriffen wird. Jetzt liegt es an der Justiz, für Gerechtigkeit zu sorgen.

 

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