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Oft teurer als das Flugticket: Warum Bahnfahren ins Ausland mehr kostet

qimono (CC0), Pixabay
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Ein Flug quer durch Europa ist nicht selten günstiger als ein Abendessen. Wer dieselbe Strecke mit dem Zug zurücklegen möchte, muss dagegen oft deutlich tiefer in die Tasche greifen. Eine Analyse von Greenpeace aus dem Jahr 2025 kommt zu einem klaren Ergebnis: Auf mehr als der Hälfte der untersuchten internationalen Routen war das Flugticket billiger als die Bahn. Im Schnitt zahlten Reisende für die Zugfahrt rund doppelt so viel.

Für Christian Gratzer, Sprecher des Verkehrsclubs Österreich (VCÖ), ist das kein Zufall, sondern politisch bedingt.

Steuerprivilegien für den Flugverkehr

Seit Jahrzehnten profitiere die Luftfahrt von steuerlichen Ausnahmen, erklärt Gratzer. Internationale Flugtickets sind von der Mehrwertsteuer befreit, Kerosin unterliegt keiner Mineralölsteuer. Diese Sonderstellung geht unter anderem auf das Chicagoer Abkommen von 1944 zurück, das eine mehrfache Besteuerung von Flugzeugen im Ausland verhindern sollte.

Auch die aktuelle EU-Energiesteuerrichtlinie sieht weiterhin weitgehende Steuerbefreiungen für kommerzielle Flüge vor. Zwar plant die Europäische Union im Rahmen ihres Klimapakets eine schrittweise Einschränkung dieser Ausnahmen – allerdings über einen Zeitraum von zehn Jahren und zunächst nur für innereuropäische Flüge. Aus Sicht des VCÖ greift das zu kurz.

Fehlende europäische Abstimmung auf der Schiene

Doch nicht nur im Flugverkehr sieht Gratzer Reformbedarf. Auch im Bahnsektor werde zu stark national gedacht. Grenzüberschreitende Verbindungen seien häufig unzureichend aufeinander abgestimmt. Baustellen würden national geplant, ohne internationale Auswirkungen ausreichend zu berücksichtigen.

Gefordert werden daher eine stärkere europäische Koordination, ein gemeinsames Baustellenmanagement sowie ein einheitlicheres und einfacheres Ticketingsystem für internationale Zugreisen.

Österreich: Viel Bahn, hohe Preise

Im EU-Vergleich zählt Österreich zu den Ländern mit der intensivsten Bahnnutzung. Im Jahr 2023 legten die Menschen hierzulande durchschnittlich rund 1.600 Kilometer pro Person mit dem Zug zurück – mehr als in jedem anderen EU-Staat. Auch bei den Investitionen in die Schieneninfrastruktur liegt Österreich im Spitzenfeld.

Gleichzeitig sind die regulären Ticketpreise vergleichsweise hoch. Ohne Ermäßigungen kosten Fahrkarten oft mehr als etwa in Italien oder Spanien. Für Gratzer zeigt das, dass politische Rahmenbedingungen noch stärker zugunsten der Bahn ausgerichtet werden müssten.

Nicht immer ist das Flugzeug billiger

Allerdings ist das Bild nicht einheitlich. Laut Greenpeace gibt es durchaus Strecken, auf denen die Bahn günstiger ist – etwa zwischen Vilnius und Warschau oder zwischen Ljubljana und Wien. Teilweise kostet das Zugticket dort nur einen Bruchteil des Flugpreises. Der Rat lautet daher: Preise vergleichen, statt automatisch zum Flug zu greifen.

Neben den Buchungsplattformen der Bahngesellschaften existieren zudem spezialisierte Anbieter, die internationale Zugverbindungen kombinieren und nach günstigen Tarifen suchen. Der VCÖ verweist etwa auf das auf Bahnreisen spezialisierte Reisebüro Traivelling, das komplexe Strecken plant und bei der Ticketwahl unterstützt.

Fest steht: Solange der Flugverkehr steuerlich begünstigt bleibt, wird die Bahn auf vielen internationalen Strecken preislich im Nachteil sein – trotz ihrer besseren Klimabilanz.

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