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Ölpreis springt nach Iran-Angriffen nach oben – Börsen reagieren nervös

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Nach den Luftangriffen der USA und Israels auf Iran sind die Ölpreise zum Wochenstart deutlich gestiegen. Gleichzeitig gerieten die Aktienmärkte unter Druck.

Der US-Ölpreis (WTI) legte zum Handelsauftakt am Sonntagabend um rund fünf Dollar beziehungsweise acht Prozent zu und notierte bei etwa 72 Dollar pro Barrel. Die Nordseesorte Brent sprang zeitweise um mehr als zwölf Prozent auf rund 82 Dollar, gab jedoch kurz darauf wieder nach und fiel unter die Marke von 80 Dollar. Am Freitag hatte Brent noch bei gut 73 Dollar geschlossen.

Parallel dazu sanken die Futures auf die großen US-Aktienindizes: S&P 500, Nasdaq und Dow Jones verloren jeweils rund ein Prozent. Aktien großer Ölkonzerne wie ExxonMobil und Chevron legten hingegen um etwa zwei Prozent zu. Auch Rüstungsunternehmen wie Northrop Grumman und Lockheed Martin verzeichneten leichte Kursgewinne.

Analysten werten den kräftigen, aber nicht panikartigen Anstieg der Ölpreise als erwartbare Reaktion auf die Eskalation. Bereits im Vorfeld der Angriffe waren die Preise gestiegen. Der Markt gehe derzeit davon aus, dass die unmittelbaren Störungen der Ölversorgung begrenzt bleiben könnten – auch wenn erhebliche Unsicherheit über Dauer und Ausmaß des Konflikts herrscht. US-Präsident Donald Trump hatte angedeutet, dass die Auseinandersetzung Wochen dauern könnte.

Experten warnen jedoch: Sollte es zu massiven Unruhen, einem längeren Ausfall wichtiger Förderanlagen oder einer Blockade zentraler Transportwege kommen, könnte der Ölpreis auf 100 Dollar pro Barrel oder darüber steigen. In diesem Fall dürften auch die Benzinpreise in den USA deutlich anziehen – mit spürbaren Folgen für Verbraucher und Inflation.

Schlüsselrolle Irans im Ölmarkt

Iran ist ein bedeutender Akteur auf dem globalen Energiemarkt. Das Land verfügt laut Opec über die drittgrößten nachgewiesenen Ölreserven weltweit und exportiert große Mengen, insbesondere nach China. Zudem kontrolliert Iran die Nordseite der Straße von Hormus – eine der wichtigsten Schifffahrtsrouten für Rohöl.

Durch diese Meerenge werden täglich rund 20 Millionen Barrel Öl transportiert, etwa ein Fünftel der weltweiten Tagesproduktion. Die US-Energiebehörde bezeichnet die Route als „kritischen Engpass“ für den globalen Ölhandel. In früheren Konflikten hatte Teheran mehrfach mit einer Blockade gedroht.

Ein längerer Ausfall der Straße von Hormus würde nach Einschätzung von Energieexperten eine weltweite Energiekrise auslösen. Noch gravierender wäre jedoch ein gezielter Angriff auf große Förderanlagen in Saudi-Arabien. Bereits 2019 hatte ein Angriff auf die saudische Anlage in Abqaiq erhebliche Auswirkungen auf den Markt. Solche Infrastrukturen seien nicht kurzfristig ersetzbar, betonen Branchenkenner.

Opec kündigt Produktionsausweitung an

Die Opec und ihre Partner kündigten am Sonntag an, ihre tägliche Fördermenge um 206.000 Barrel zu erhöhen. Bereits im vierten Quartal war die Produktion um 137.000 Barrel pro Tag ausgeweitet worden. Beobachter gehen jedoch davon aus, dass diese zusätzlichen Mengen einen starken Preisanstieg nur begrenzt dämpfen können.

Asien besonders verwundbar

Vor allem asiatische Volkswirtschaften wie China und Indien wären von einer Störung der Lieferketten stark betroffen. Sollten iranische Exporte ausfallen, müsste China alternative Bezugsquellen erschließen – was die weltweiten Preise weiter nach oben treiben könnte. Da Öl ein global handelbarer Rohstoff ist, wirken sich Angebotsausfälle regional nicht isoliert aus, sondern betreffen den gesamten Markt.

Benzinpreise könnten spürbar steigen

Iran ist der sechstgrößte Ölproduzent der Welt. Ein länger andauernder Konflikt würde laut Experten nicht nur die Rohölpreise, sondern auch die Spritpreise in die Höhe treiben. Der Großhandelspreis für Benzin-Futures könnte kurzfristig um 25 Cent steigen, was sich in den USA mit täglichen Aufschlägen von fünf bis zehn Cent an den Zapfsäulen bemerkbar machen könnte.

Der landesweite Durchschnittspreis für Benzin liegt derzeit bei 2,98 Dollar pro Gallone – nachdem er im Dezember erstmals seit vier Jahren unter die Marke von drei Dollar gefallen war. Steigende Energiepreise könnten den Inflationsdruck erneut erhöhen und politische Auswirkungen haben.

Wie nachhaltig der aktuelle Preissprung ist, hängt entscheidend davon ab, ob sich der Konflikt regional begrenzen lässt – oder ob zentrale Förder- und Transportstrukturen in Mitleidenschaft gezogen werden. Der Ölmarkt bleibt damit in einer Phase erhöhter Nervosität.

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