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Octopus Energy Group Limited Gefahren für Verbraucher?

buidinh1803 (CC0), Pixabay
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Nach Durchsicht des Konzernabschlusses der Octopus Energy Group Limited (FY23) ergeben sich – trotz beeindruckender Wachstumszahlen – mehrere strukturelle Risiken, die für Kunden durchaus relevant sein können.

Zur Einordnung ein paar zentrale Kennzahlen:

  • Umsatz: £12,54 Mrd. (+197%)

  • Nettogewinn: £203 Mio. (1,6% Marge)

  • Cash: £841 Mio. (exkl. ringfenced Bulb-Mittel)

  • Anstieg Trade & Other Payables auf £2,79 Mrd. (Vorjahr £45 Mio.)

  • Goodwill: £211 Mio.

Das Bild ist nicht eindeutig negativ – aber es ist deutlich riskanter, als die Erfolgsgeschichte vermuten lässt.

Kritische Analyse

1. Extrem dünne Gewinnmarge

1,6 % Nettomarge bei einem hochvolatilen Energiemarkt ist extrem gering .

Das bedeutet:

  • Schon geringe Marktverwerfungen können den Gewinn komplett aufzehren.

  • Das Geschäftsmodell ist stark von stabilen Rahmenbedingungen abhängig (Hedging, Preisdeckel, staatliche Programme).

Für Kunden heißt das:

  • Das Unternehmen hat wenig Puffer bei Marktkrisen.

  • Preisanpassungen könnten schneller und deutlicher erfolgen.

2. Massive Verbindlichkeiten durch Bulb-Deal

Der drastische Anstieg der „Trade and Other Payables“ um £2,7 Mrd. ist direkt mit der Bulb-Übernahme verbunden.

Das ist bilanziell zulässig – aber:

  • Hohe kurzfristige Verpflichtungen erhöhen das Liquiditätsrisiko.

  • Komplexe staatliche Mechanismen (WAMA) machen das Konstrukt schwer durchschaubar.

  • Kunden hängen indirekt an der Funktionsfähigkeit dieses Konstrukts.

Gefahr:
Wenn Marktpreise oder regulatorische Rahmen kippen, kann ein erheblicher Finanzierungsdruck entstehen.

3. Goodwill und immaterielle Werte steigen stark

Goodwill: £211 Mio.
Intangible Assets: stark gestiegen

Das Problem:
Goodwill ist kein greifbarer Vermögenswert. Wenn Integration oder Wachstum hinter Erwartungen zurückbleiben, drohen Abschreibungen – mit direkter Auswirkung auf Eigenkapital und Vertrauen.

4. Abhängigkeit von AWS

Kraken läuft ausschließlich auf AWS

Risiken:

  • Cloud-Abhängigkeit

  • Cyberrisiken (DDOS, Credential Stuffing werden selbst erwähnt)

  • Konzentrationsrisiko

Für Kunden:

  • Technische Störungen könnten Millionen betreffen.

  • Datenschutzrisiken steigen mit Datenmenge.

5. Kundenkonzentration im Lizenzgeschäft

Das Lizenzgeschäft ist stark von wenigen Großkunden abhängig

Wenn einer dieser Kunden ausfällt:

  • ARR-Rückgang

  • Bewertungsdruck

  • Liquiditätsdruck

6. EV-Leasing: Restwertrisiko

6.750 Fahrzeuge in der Bilanz, stark wachsend

Risiko:

  • Gebrauchtwagenpreise können einbrechen

  • Technologischer Wandel beschleunigt Wertverlust

  • Wirtschaftskrise drückt Nachfrage

Das ist kein Energie-, sondern ein Finanzierungsrisiko.

Gespräch mit Thomas Bremer

Ich: Herr Bremer, auf den ersten Blick sieht die Bilanz beeindruckend aus – fast Verdreifachung des Umsatzes, Gewinn erzielt. Sehen Sie Risiken für Kunden?

Thomas Bremer: Absolut. Wachstum ist nicht automatisch Stabilität. Die Gewinnmarge ist sehr dünn. Ein volatiler Markt kann das schnell drehen.

Ich: Was beunruhigt Sie besonders?

Bremer: Die Payables. Ein Anstieg von £45 Mio. auf £2,79 Mrd. ist massiv. Das ist systemisch – nicht operativ. Wenn hier etwas kippt, reden wir über Liquiditätsstress.

Ich: Und was heißt das für Kunden konkret?

Bremer: Im schlimmsten Fall:

  • Preissteigerungen

  • eingeschränkte Kulanz

  • Risiko regulatorischer Eingriffe

  • im Extremfall: erneute Marktverwerfungen wie bei früheren Energiepleiten

Ich: Aber das Unternehmen ist doch „corporate debt-free“?

Bremer: Formal ja. Aber Verbindlichkeiten sind Verbindlichkeiten. Und das EV-Geschäft bindet Kapital. Das ist bilanziell anspruchsvoll.

Ich: Ist das also ein wackeliges Geschäftsmodell?

Bremer: Nicht zwingend. Aber es ist hochkomplex und stark wachstumsgetrieben. Solche Modelle sind stabil – bis sie es nicht mehr sind.

Fazit: Welche Gefahren lauern für Kunden?

Potenzielle Risiken:

  1. Preisvolatilität bei Marktturbulenzen

  2. Abhängigkeit von staatlichen Mechanismen

  3. IT- und Cloud-Konzentrationsrisiken

  4. Liquiditätsdruck durch Großübernahmen

  5. Bewertungsrisiken durch Goodwill

  6. Restwertrisiko im EV-Geschäft

Noch ist das kein Alarmfall. Aber:

Das Unternehmen operiert mit hoher Geschwindigkeit, hoher Komplexität und geringer Marge in einem politisch sensiblen Markt.

Und genau das macht es anfällig.

Muenchen_HRB_231408_01.03.2026

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