Am 13. Januar 2026 hat der Supreme Court der Vereinigten Staaten begonnen, über die Verfassungsmäßigkeit von Gesetzen zu verhandeln, die es trans Frauen und Mädchen untersagen, in Frauensportteams an öffentlichen Schulen teilzunehmen. Die Anhörungen betreffen Gesetze aus Idaho und West Virginia, die von betroffenen trans Schüler:innen angefochten wurden.
Die Klägerinnen argumentieren, dass die pauschalen Verbote ihre Rechte verletzen – insbesondere nach Title IX, dem US-Bundesgesetz, das Diskriminierung „aufgrund des Geschlechts“ in Bildungseinrichtungen mit staatlicher Finanzierung untersagt.
Individuelle Umstände vs. pauschale Verbote
Die trans Athletin Lindsay Hecox aus Idaho erklärte durch ihre Anwältin, sie habe keine „biologischen Vorteile“ mehr, da sie Testosteron unterdrücke und Östrogen nehme. Die Gesetze, so die Argumentation der Klägerseite, differenzieren nicht zwischen Athlet:innen mit und ohne körperliche Vorteile und seien daher verfassungswidrig.
Die betroffenen Bundesstaaten halten dagegen: Selbst mit Hormonbehandlungen würden athletische Vorteile erhalten bleiben, insbesondere bei Muskelmasse, Knochendichte und Ausdauer. Die Gesetze seien notwendig, um Fairness und Sicherheit im Frauensport zu gewährleisten.
Was bedeutet „Geschlecht“? – Grundsatzdebatte vor dem Gericht
Ein zentrales Thema der Anhörung war die Definition von „Geschlecht“ unter Title IX. Vertreter des US-Justizministeriums – das unter der Trump-Regierung die Sportverbote unterstützt – argumentierten, dass „Geschlecht“ biologisch zu verstehen sei. Transgeschlechtlichkeit sei davon nicht umfasst.
Richter Samuel Alito stellte die Frage nach dem historischen Wortsinn von „Sex“, während Richterin Ketanji Brown Jackson bezweifelte, dass Gesetze, die selbst nur eine kleine Gruppe diskriminieren, deswegen automatisch rechtens seien.
Liberale Richter:innen zeigen Skepsis
Richterin Sonia Sotomayor kritisierte, dass pauschale Gesetze auf Grundlage von Durchschnittswerten keine Rücksicht auf einzelne Lebensrealitäten nähmen:
„Zahlen sprechen nicht über den Menschen“, sagte sie.
Auch Richterin Elena Kagan hakte nach, ob nicht jede Einzelperson denselben Schutz verdiene – unabhängig davon, wie groß die betroffene Gruppe sei.
Demonstrationen und landesweite Bedeutung
Vor dem Gerichtsgebäude versammelten sich Unterstützer:innen beider Seiten – von konservativen Gruppen, die „Frauen im Sport schützen“ wollen, bis hin zu Eltern trans Kinder, die für Inklusion und Gleichberechtigung demonstrierten.
Die Entscheidung des Gerichts wird als grundlegend angesehen. Sie könnte nicht nur die Teilnahme trans Athlet:innen an Sportwettkämpfen betreffen, sondern weitreichende Auswirkungen auf Schulpolitik, Toilettenzugang und andere Rechte von trans Jugendlichen haben.
Trump-Regierung unterstützt Verbote – politischer Kontext
Die Trump-Regierung hat klar Stellung bezogen und unterstützt die Gesetze. Präsident Donald Trump hatte angekündigt, Schulen mit inklusiver Sportpolitik die Bundesmittel streichen zu wollen. In einer Rede verspottete er erneut trans Athlet:innen und bezeichnete deren Teilnahme am Frauensport als „erniedrigend für Frauen“.
Ausblick: Wegweisendes Urteil erwartet
Die Klägerseite – unter anderem vertreten durch die ACLU – sprach von einem „harten Kampf“. Das Gericht hatte in früheren Fällen bereits Gesetze gegen trans Menschen (etwa zur geschlechtsangleichenden Behandlung von Minderjährigen) bestätigt. Dennoch hoffen die Anwält:innen auf ein differenziertes Urteil, das die Rechte trans Schüler:innen anerkennt.
Ein Urteil des Gerichts wird in den kommenden Monaten erwartet. Es könnte die Grundlage für zukünftige Entscheidungen zu trans Rechten im gesamten US-Bildungssystem bilden.
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