US-Gesundheitsminister Robert F. Kennedy Jr. hat in einem Interview mit dem Extremely Normal-Podcast von USA TODAY ausführlich über seine umstrittene Ernährung gesprochen. Seine Aussage: „Ich esse ausschließlich Fleisch und fermentierte Lebensmittel.“
Kennedy folgt der sogenannten Carnivore-Diät – einem extrem restriktiven Ernährungskonzept, das ausschließlich tierische Produkte erlaubt: Fleisch, Fisch, geringe Mengen Milchprodukte. Alles Pflanzliche wie Obst, Gemüse, Getreide, Hülsenfrüchte, Nüsse und Samen sind tabu.
Erfolge laut Kennedy – Kritik von Expert:innen
Kennedy betont, dass er mit der Diät gesundheitlich große Fortschritte gemacht habe. Er habe 40 % seines viszeralen Fetts in nur einem Monat verloren und 20 Pfund (etwa 9 kg) in 20 Tagen. Zudem habe sich seine geistige Klarheit verbessert. „Vielleicht ist das ein Placebo-Effekt – aber ich spüre es deutlich“, so Kennedy.
Er selbst wolle „kein Vorbild sein“, doch seine Aussagen haben Aufmerksamkeit erregt – und Widerspruch bei Fachleuten hervorgerufen.
Ernährungswissenschaftler:innen warnen vor Risiken
„Die Carnivore-Diät ist extrem einseitig und schließt viele bewiesenermaßen gesundheitsfördernde Lebensmittel aus“, erklärt Jamie Nadeau, staatlich geprüfte Ernährungsberaterin, gegenüber USA TODAY. Die Diät sei „nicht evidenzbasiert“ – es gebe keinerlei fundierte Forschung, die gesundheitliche Vorteile langfristig belege.
Yasi Ansari, leitende Diätologin an der UCLA Health, ergänzt: Zwar teile die Carnivore-Diät mit aktuellen Ernährungsempfehlungen die Ablehnung hochverarbeiteter Produkte, doch der völlige Verzicht auf pflanzliche Lebensmittel stehe im Widerspruch zu allen ernährungswissenschaftlichen Leitlinien.
Kurzfristiger Gewichtsverlust möglich – aber nicht nachhaltig
Die Reduktion von viszeralem Fett ist laut Ansari technisch möglich – vor allem bei stark kalorienreduzierter Ernährung. Doch diese Erfolge seien selten dauerhaft. „Restriktive Diäten sind oft nicht durchzuhalten und führen langfristig zu Essstörungen und Gewichtszunahme“, warnt Nadeau.
Zudem könne der Entzug von Ballaststoffen – die in pflanzlicher Nahrung stecken – die Darmgesundheit gefährden. „Langfristig ist eine ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Hülsenfrüchten, Vollkorn und moderatem Fleischkonsum eindeutig überlegen“, so Ansari.
Gesundheitliche Risiken: Von Nährstoffmangel bis Nierenschäden
Die Expertinnen weisen auf weitere Risiken hin: Die einseitige Ernährung kann zu Mangelerscheinungen führen – insbesondere bei Vitaminen, Mineralstoffen und sekundären Pflanzenstoffen, die für Herz, Nerven und Verdauung essenziell sind.
Zudem enthält die Diät viele gesättigte Fette, die das Risiko für Herz-Kreislauf-Erkrankungen erhöhen. Weitere mögliche Folgen: Nierensteine, Gicht, Osteoporose.
„Es gibt keine belastbare Studie, die Vorteile der Carnivore-Diät belegt – aber viele, die pflanzenreiche Ernährung als gesundheitlich überlegen zeigen“, so Nadeau.
Fazit
RFK Jr. mag individuelle Erfolge verzeichnen, doch Expert:innen warnen eindringlich vor der Nachahmung. Für die Bevölkerung bleibt die Empfehlung eindeutig: Vielfalt auf dem Teller – statt radikale Einseitigkeit.
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