Der US-Bundesstaat New Mexico hat eine strafrechtliche Untersuchung rund um die frühere „Zorro Ranch“ des verurteilten Sexualstraftäters Jeffrey Epstein wieder aufgenommen. Anlass sind neue Hinweise aus kürzlich veröffentlichten Akten des US-Justizministeriums.
Der Generalstaatsanwalt von New Mexico, Raúl Torrez, erklärte, seine Behörde werde die Vorgänge rund um das Anwesen „umfassend und breit angelegt“ prüfen. Man strebe zudem vollständigen Zugang zu bislang geschwärzten Dokumenten an, die sich im Besitz von Bundesermittlern in Washington befinden und die Ranch betreffen.
Zusammenarbeit mit neuer Untersuchungskommission
Parallel dazu arbeitet die Staatsanwaltschaft mit einer neu eingerichteten, parteiübergreifenden „Epstein-Wahrheitskommission“ zusammen. Das vierköpfige Gremium wurde in dieser Woche von Abgeordneten des Bundesstaates ins Leben gerufen. Es soll klären, ob die abgelegene Ranch südlich von Santa Fe für sexuellen Missbrauch oder Menschenhandel genutzt wurde.
Bereits 2019 hatte New Mexico Ermittlungen eingeleitet, diese jedoch auf Bitte von Bundesstaatsanwälten in New York eingestellt. Epstein war damals in New York angeklagt worden. In New Mexico selbst wurde er nie formell angeklagt. Im selben Jahr starb er in einer Haftanstalt in Manhattan.
Neue Vorwürfe aus E-Mails
Im Mittelpunkt der erneuten Prüfung steht unter anderem eine E-Mail aus dem Jahr 2019, die in einer aktuellen Dokumentenveröffentlichung enthalten war. Darin wird behauptet, Epstein habe angeordnet, die Leichen zweier ausländischer Mädchen außerhalb der Ranch zu vergraben. Die Herkunft und Glaubwürdigkeit der anonymen Nachricht sind bislang unklar. Auch das US-Justizministerium prüft die Hintergründe.
Mitglieder der Untersuchungskommission erklärten zudem, man gehe Hinweisen nach, wonach es möglicherweise bereits vor 2019 Meldungen an das FBI gegeben habe – etwa über mutmaßlichen Menschenhandel oder andere schwere Straftaten im Umfeld der Ranch.
Darüber hinaus soll geklärt werden, warum Epstein sich in New Mexico offenbar nicht als Sexualstraftäter registrieren ließ, obwohl er 2008 in Florida wegen der Anbahnung von Prostitution mit einer Minderjährigen verurteilt worden war.
Abgelegene Luxusimmobilie
Die Zorro Ranch umfasst rund 10.000 Acres (etwa 4.000 Hektar) Wüstenland und verfügt über ein rund 2.000 Quadratmeter großes Haupthaus auf einem Hügel, eine private Landebahn sowie einen Hubschrauberlandeplatz. Epstein hatte das Anwesen 1993 erworben.
Mehrere Frauen haben in der Vergangenheit angegeben, sie seien auf der Ranch missbraucht worden. Das Anwesen sei ein zentraler Bestandteil von Epsteins mutmaßlichem Netzwerk gewesen.
Heute gehört die Ranch dem ehemaligen texanischen Senator Don Huffines, der sie 2023 vom Nachlass Epsteins kaufte. Er kündigte an, Erlöse aus einem möglichen Weiterverkauf den Opfern zugutekommen zu lassen.
Mit der Wiederaufnahme der Ermittlungen könnte die Rolle der Zorro Ranch im Epstein-Komplex nun erneut juristisch aufgearbeitet werden.
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