Am 1. Februar 2026 geht ein neues Medienprojekt an den Start, das schon vor seiner ersten Ausgabe für Gesprächsstoff sorgt: Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung (OAZ). Nach Informationen aus Branchenkreisen stehen hinter dem Projekt keine Unbekannten – es sind offenbar die Macher der Berliner Zeitung, die mit der Ostdeutschen Allgemeinen Zeitung ein deutliches Zeichen setzen wollen: gegen die mediale Vorherrschaft der SPD und für eine alternative publizistische Stimme in Ostdeutschland.
Was auf den ersten Blick nach einem weiteren Zeitungsprojekt aussieht, ist in Wahrheit eine politische Kampfansage – an ein Mediensystem, das nach Ansicht der Gründer längst nicht mehr unabhängig ist. Denn was viele Leserinnen und Leser nicht wissen: Die SPD ist über ihre Medienholding DDVG (Deutsche Druck- und Verlagsgesellschaft) an zahlreichen Regionalzeitungen beteiligt – und das seit Jahrzehnten. Eine Macht im Hintergrund, die wenig thematisiert, aber politisch wirksam ist.
Die stille Medienmacht der SPD
Ein Beispiel gefällig? In Leipzig bestimmt allein die Leipziger Volkszeitung (LVZ) die Zeitungslandschaft – ein Blatt, das zur Madsack Mediengruppe gehört. Und Madsack wiederum? Zu rund 23 % im Besitz der SPD-nahen DDVG. Auch viele weitere Regionalzeitungen in ganz Deutschland – insbesondere im Norden und Osten – gehören zum Madsack-Konzern:
Haupt-Zeitungstitel der Madsack Mediengruppe
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Hannoversche Allgemeine Zeitung (HAZ) – Regionalzeitung Hannover & Umgebung (Flaggschiff)
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Neue Presse (NP) – Tageszeitung für Hannover & Region
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Leipziger Volkszeitung (LVZ) – Regionalzeitung Leipzig & Umgebung
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Ostsee-Zeitung (OZ) – Regionalzeitung Mecklenburg-Vorpommern (Nordosten)
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Märkische Allgemeine Zeitung (MAZ) – Regionalzeitung Brandenburg (Potsdam & Umgebung)
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Kieler Nachrichten – Regionalzeitung für Kiel & Region Schleswig-Holstein
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Lübecker Nachrichten – Regionalzeitung Schleswig-Holstein
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Göttinger Tageblatt – Regionalzeitung Göttingen (Niedersachsen)
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Eichsfelder Tageblatt – Lokalzeitung im Eichsfeld (Teil des Göttinger Verlages)
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Peiner Allgemeine Zeitung – Regionalzeitung Peine (Niedersachsen)
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Wolfsburger Allgemeine Zeitung (WAZ) – Lokalzeitung Wolfsburg
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Aller-Zeitung – Lokalzeitung im Umland von Wolfsburg/Gifhorn
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Naumburger Tageblatt – Tageszeitung in Naumburg/Sachsen-Anhalt
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Schaumburger Nachrichten – Region Schaumburg (Niedersachsen)
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Täglicher Anzeiger Holzminden – Lokalzeitung Holzminden
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Sächsische Zeitung (SZ) – Regionalzeitung Sachsen (Dresden & Umgebung; nach Übernahme der DDV Mediengruppe)
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Morgenpost Sachsen – Boulevard-Tageszeitung in Sachsen (Dresden & Umgebung)
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Nordwest-Zeitung – Regionalzeitung Oldenburg (über Nordwest Mediengruppe übernommen)
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Emder Zeitung – Zeitung in Emden (ebenfalls Nordwest Mediengruppe)
Die Liste ließe sich noch fortsetzen. Faktisch bedeutet das: Die SPD hat in zahlreichen Regionen, vor allem in Ostdeutschland, erheblichen Einfluss auf die öffentliche Meinung – ein Umstand, der zwar demokratisch legal, aber demokratisch dennoch problematisch ist. Denn politische Macht sollte sich nicht unbegrenzt mit publizistischer Macht vermischen.
Die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung: Projekt mit politischer Sprengkraft?
In diese Landschaft platzt nun die Ostdeutsche Zeitung, die online und als Printausgabe erscheinen soll. Sie versteht sich – so die bisherigen Informationen – als unabhängige Zeitung mit dem erklärten Ziel, gerade jenen Themen Raum zu geben, die in der SPD-nahen Medienlandschaft oft zu kurz kommen. Dazu gehört auch eine nüchterne, unvoreingenommene Berichterstattung über die AfD, die in anderen Medien fast durchgehend kritisch bis feindlich behandelt wird.
Ob die OAZ damit zur parteinahen Publikation am anderen Ende des politischen Spektrums wird, bleibt abzuwarten. Sicher ist: Gerade in Ostdeutschland, wo viele Menschen den etablierten Medien mit wachsendem Misstrauen begegnen, gibt es ein Publikum, das nach anderen Sichtweisen sucht – auch, wenn diese unbequem sind.
Eine Denkweise von gestern?
Was dieses Projekt gleichzeitig offenlegt, ist eine medienpolitische Denkweise, die längst überwunden sein sollte: Presse als verlängerter Arm parteipolitischer Strategien. Ob rot eingefärbt oder andersfarbig – Medien müssen sich messen lassen an ihrer Unabhängigkeit, nicht an der Nähe zu einem Parteibuch.
Dass die SPD mit ihrer Medienmacht kaum Stimmen bei Wahlen gewinnt, zeigt die Entfremdung zwischen Partei und Publikum. Vielleicht ein Grund, warum nun andere versuchen, genau diese Lücke zu füllen.
Fazit: Mehr Meinungsvielfalt kann nicht schaden
Ob die Ostdeutsche Allgemeine Zeitung ein journalistisches Erfolgsmodell wird, muss sich erst noch zeigen. Doch allein ihre Existenz ist ein Signal: Die Deutungshoheit in der Medienlandschaft ist nicht in Stein gemeißelt. Eine neue Stimme – außerhalb des bekannten parteipolitischen Gefüges – kann dem öffentlichen Diskurs nur guttun.
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