Neu veröffentlichte Unterlagen zeigen, dass ein 23-jähriger US-Staatsbürger im März 2025 in Texas von einem Bundesbeamten erschossen wurde – ohne dass das US-Heimatschutzministerium Department of Homeland Security (DHS) den Vorfall öffentlich machte.
Bei dem Getöteten handelt es sich um Ruben Ray Martinez. Die Schüsse fielen auf South Padre Island während eines nächtlichen Verkehrseinsatzes. Laut DHS habe der Fahrer einen Beamten der Einheit Homeland Security Investigations (HSI) absichtlich mit seinem Fahrzeug erfasst. Ein anderer Agent habe daraufhin „in Notwehr“ geschossen, um sich und andere zu schützen.
Interne Dokumente nach Klage veröffentlicht
Die nun bekannten Details stammen aus stark geschwärzten internen Berichten der Einwanderungsbehörde Immigration and Customs Enforcement (ICE). Veröffentlicht wurden sie nach einer Klage auf Grundlage des Informationsfreiheitsgesetzes durch die Transparenzorganisation American Oversight.
Dem internen Bericht zufolge unterstützten HSI-Beamte kurz nach Mitternacht die örtliche Polizei bei der Verkehrsregelung nach einem Unfall. Ein Fahrzeug mit zwei Insassen näherte sich einer Kreuzung. Warum die Beamten den Fahrer zum Anhalten aufforderten, geht aus dem Bericht nicht hervor. Zunächst habe er nicht reagiert, dann jedoch gestoppt. Als die Beamten das Auto umstellten und die Insassen zum Aussteigen aufforderten, sei der Wagen plötzlich beschleunigt und habe einen Agenten erfasst, der auf der Motorhaube gelandet sei. Ein Vorgesetzter habe daraufhin mehrfach durch das offene Fahrerfenster geschossen.
Martinez wurde ins Krankenhaus gebracht und dort für tot erklärt. Der Beifahrer – ebenfalls US-Bürger – wurde festgenommen. Der verletzte Beamte wurde wegen einer Knieverletzung behandelt und entlassen.
Widersprüchliche Darstellungen
Martinez’ Mutter erklärte, sie habe erst Tage später erfahren, dass ein Bundesbeamter – und nicht die lokale Polizei – geschossen habe. Ein Ermittler der Texas Rangers habe ihr mitgeteilt, es gebe Videoaufnahmen, die der Darstellung der Bundesbehörden widersprechen könnten. Offizielle Stellen äußerten sich dazu bislang nicht.
Das Texas Department of Public Safety teilte mit, die Ermittlungen seien weiterhin „aktiv“. Ob der Fall einer Grand Jury vorgelegt wird und es zu Anklagen kommt, ist noch offen.
Der Tod von Martinez wäre einer von mindestens sechs tödlichen Schusswaffeneinsätzen von Bundesbeamten seit Beginn einer verschärften landesweiten Migrationspolitik in der zweiten Amtszeit von Donald Trump.
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