US-Präsident Donald Trump hat in seiner Rede zur Lage der Nation eine neue Initiative zur Altersvorsorge angekündigt. Ziel sei es, Millionen Arbeitnehmern im privaten Sektor den Zugang zu einem staatlich unterstützten Rentensparplan zu ermöglichen – insbesondere jenen, die über ihren Arbeitgeber bislang keine betriebliche Vorsorge mit Zuschuss erhalten.
„Die Hälfte aller arbeitenden Amerikaner hat keinen Zugang zu einem Rentenplan mit Arbeitgeberzuschuss“, sagte Trump. Ab dem kommenden Jahr solle diesen Beschäftigten ein Modell offenstehen, das dem Vorsorgesystem für Bundesbedienstete ähnelt. Der Staat werde eigene Einzahlungen mit bis zu 1.000 Dollar pro Jahr bezuschussen.
Konkrete Details will das Weiße Haus „in Kürze“ vorstellen. Doch einige Eckpunkte sind bereits bekannt – ebenso wie offene Fragen.
Ein bekanntes Problem
In den USA haben viele Gering- und Durchschnittsverdiener weder eine klassische Betriebsrente noch einen einfachen Zugang zu steuerlich geförderten Sparplänen. Seit Jahren diskutieren Politiker und Experten, wie diese sogenannte „Versorgungslücke“ geschlossen werden kann. Einzelne Bundesstaaten haben automatische IRA-Sparprogramme eingeführt, doch deren Reichweite ist begrenzt.
Laut Weißem Haus soll Trumps Initiative weitgehend ohne neue Gesetzgebung umgesetzt werden können – also durch bestehende Verwaltungskompetenzen. Ergänzende Gesetze seien jedoch denkbar.
Der staatliche Zuschuss existiert bereits
Der von Trump angekündigte staatliche Zuschuss ist keine Neuschöpfung. Es handelt sich um den sogenannten „Saver’s Match“, der 2022 beschlossen wurde und 2027 in Kraft tritt. Gering- und mittlere Einkommen – bis 35.500 Dollar pro Jahr (bzw. 71.000 Dollar für Ehepaare) – erhalten dabei einen staatlichen Zuschuss von bis zu 1.000 Dollar, wenn sie bis zu 2.000 Dollar in einen qualifizierten Altersvorsorgeplan einzahlen.
Das Problem: Viele Anspruchsberechtigte nutzen bestehende IRA- oder 401(k)-Konten nicht, obwohl sie dazu berechtigt wären. Studien zeigen, dass Arbeitnehmer ohne betriebliches Angebot 15- bis 20-mal seltener eigenständig vorsorgen.
Wie könnte der neue Plan aussehen?
Trump sprach davon, privaten Beschäftigten Zugang zu „dem gleichen Typ von Rentenplan“ wie Bundesbediensteten zu ermöglichen. Diese nutzen den sogenannten Thrift Savings Plan (TSP) – ein kostengünstiges 401(k)-ähnliches Modell mit breit gestreuten Indexfonds.
Nach Angaben aus dem Umfeld der Regierung soll das neue Angebot „universell und portabel“ sein – also unabhängig vom Arbeitgeber bestehen bleiben und bei Jobwechseln mitgenommen werden können. Geplant seien diversifizierte, indexbasierte Anlageoptionen mit niedrigen Gebühren.
Einige Experten vermuten, dass es sich letztlich um eine neu gebrandete Variante eines individuellen Rentenkontos (IRA) handeln könnte – möglicherweise als Erweiterung der bereits eingeführten „Trump Accounts“, die ursprünglich für Kinder konzipiert wurden und später in klassische IRAs übergehen.
Die entscheidende Frage: Automatische Anmeldung?
Unklar ist bislang, ob Arbeitnehmer automatisch in den neuen Plan aufgenommen werden sollen. Viele Fachleute halten automatische Anmeldung für entscheidend, um tatsächlich mehr Menschen zum Sparen zu bewegen. Politisch ist dieser Ansatz jedoch umstritten, da er – selbst wenn für Arbeitgeber kostenneutral – als regulatorischer Eingriff gilt.
Fazit
Trumps Initiative greift ein reales Problem auf und baut auf bestehenden Instrumenten auf. Ob sie jedoch tatsächlich eine strukturelle Lücke schließt oder lediglich ein bestehendes Angebot neu verpackt, hängt von den noch ausstehenden Details ab – insbesondere davon, wie niedrigschwellig und verpflichtend die Teilnahme gestaltet wird.
Bis dahin bleibt die Ankündigung ein politisches Signal – mit Potenzial, aber auch mit vielen offenen Fragen.
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