Mehr als ein halbes Jahrhundert nach den letzten Apollo-Flügen bereitet die NASA ihre Rückkehr zum Mond vor – mit einer Mission, die nicht nur technisch ambitioniert ist, sondern auch symbolisch neue Maßstäbe setzen soll.
Vier Astronauten sollen im Rahmen der Mission „Artemis 2“ den Mond umrunden. Sie werden dabei weiter ins All vordringen als jede bemannte Mission zuvor – bis zu 10.000 Kilometer hinter die Mondrückseite. Ein Gebiet, das selbst für die Apollo-Astronauten unerreichbar blieb.
Die Mission ist auf zehn Tage ausgelegt. Eine Landung ist nicht geplant. Stattdessen soll der Flug vor allem eines leisten: den Weg bereiten für spätere bemannte Mondlandungen, die derzeit frühestens für das Jahr 2028 vorgesehen sind.
Doch nicht nur die Technik steht im Fokus. Die Zusammensetzung der Crew markiert einen bewussten Bruch mit der Vergangenheit. Erstmals sollen eine Frau, ein Schwarzer Astronaut und ein Kanadier an einer Mondmission teilnehmen – ein Schritt, den die NASA auch als Signal für mehr Vielfalt im All versteht.
Kommandiert wird die Mission von Reid Wiseman, einem erfahrenen Testpiloten und ehemaligen Navy-Flieger. Der 50-Jährige war bereits 2014 auf der Internationalen Raumstation im Einsatz und kennt die Bedingungen im All aus eigener Erfahrung.
An seiner Seite: Victor Glover, ebenfalls Militärpilot und bereits ISS-Veteran. Der 49-Jährige flog 2020 im Rahmen einer SpaceX-Mission ins All – ein Meilenstein für die Zusammenarbeit zwischen staatlicher Raumfahrt und privaten Unternehmen.
Mit Christina Koch gehört eine der erfahrensten Astronautinnen der NASA zur Crew. Sie stellte 2019 einen Rekord auf, als sie fast ein Jahr ununterbrochen im All verbrachte – länger als jede andere US-Amerikanerin vor ihr. Zudem war sie Teil des ersten rein weiblichen Außeneinsatzes im Weltraum.
Komplettiert wird das Team durch Jeremy Hansen von der kanadischen Raumfahrtbehörde. Für ihn wird es die erste Reise ins All – und gleichzeitig eine historische: Noch nie zuvor hat ein Kanadier an einer Mondmission teilgenommen.
Der Flug selbst erfolgt mit der Orion-Kapsel, die auf der Schwerlastrakete Space Launch System ins All gebracht wird – einem der größten und teuersten Raumfahrtprojekte der vergangenen Jahre.
Die Mission steht exemplarisch für eine neue Phase der Raumfahrt. Während frühere Mondflüge vor allem geopolitisch motiviert waren, geht es heute um langfristige Präsenz, internationale Zusammenarbeit und die Vorbereitung weiterer Ziele – etwa bemannte Missionen zum Mars.
Ob Artemis 2 tatsächlich wie geplant starten kann, bleibt jedoch abzuwarten. Die technische Komplexität ist hoch, die Erwartungen ebenso. Klar ist aber schon jetzt: Sollte die Mission gelingen, wäre sie mehr als nur ein weiterer Flug zum Mond. Sie wäre der Auftakt für ein neues Kapitel der bemannten Raumfahrt.
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