Instagram will mit neuen Features seine Nutzer enger miteinander vernetzen – doch mindestens eine der Funktionen könnte unerwartet intime Einblicke in das Verhalten von Freunden preisgeben. Während Instagram die neuen Möglichkeiten als Erweiterung der Freundschaftspflege anpreist, warnen Nutzer und Experten bereits vor versteckten Risiken für die Privatsphäre.
Repost-Funktion wie bei Twitter oder TikTok
Neu ist zunächst eine Republishing-Funktion, die von anderen Plattformen bekannt ist. Mit einem neuen „Repost“-Button lassen sich Beiträge und Reels künftig direkt teilen – ähnlich wie bei Twitter („Retweet“) oder TikTok („Repost“). Nutzer können so Inhalte anderer Accounts mit den eigenen Followern verbreiten, wahlweise mit oder ohne zusätzlichen Kommentar.
Neuer „Freunde“-Tab: Unauffälliges Stalking möglich
Wesentlich umstrittener ist jedoch das zweite Feature: ein „Freunde“-Tab im Reels-Bereich. Hier werden nicht mehr nur beliebte Clips angezeigt, sondern auch jene Inhalte, mit denen Freunde interagiert haben – also Likes, Kommentare oder Reposts.
Das bedeutet: Nutzer sehen plötzlich detailliert, welche Inhalte Freunde oder Kollegen geliked oder kommentiert haben. Was harmlos klingt, kann schnell unangenehm werden – etwa wenn ein Arbeitskollege mit allzu persönlichen Kommentaren bei Influencern auffällt oder Likes politische Positionen offenbaren, die man bislang für privat hielt.
Bislang gab es auf Instagram keine zentrale Übersicht mehr, die Aktivitäten von Freunden so gebündelt darstellte. Viele Nutzer dürften daher überrascht sein, dass eigene Likes und Kommentare nun viel sichtbarer werden.
Einstellungen bieten Ausweg – aber nur für aufmerksame Nutzer
Wer nicht möchte, dass die eigenen Aktivitäten im „Freunde“-Tab erscheinen, kann dies in den Einstellungen deaktivieren: Unter Profil → Einstellungen → Aktivitäten → Freunde lässt sich festlegen, dass niemand Zugriff auf diese Übersicht hat.
Auch ältere Likes und Kommentare lassen sich löschen. Unter „Deine Aktivitäten“ zeigt Instagram an, welche Interaktionen in der Vergangenheit vorgenommen wurden – von dort aus können Nutzer diese nachträglich entfernen.
Karten-Funktion löst zusätzliche Bedenken aus
Neben Repost und „Freunde“-Tab führt Instagram noch eine Karten-Funktion ein, die bisher nur in den USA verfügbar ist. Damit können Nutzer ihren Standort live mit anderen teilen – das Feature ist allerdings standardmäßig deaktiviert.
Trotzdem gibt es schon Kritik: Die New York Times berichtete, dass Nutzer auf der Karte auftauchten, obwohl sie die Live-Funktion nicht eingeschaltet hatten. Grund dafür ist, dass Instagram auch Ortsmarkierungen aus älteren Posts und Stories einblendet. Diese erscheinen auf der Karte, obwohl es sich nicht um aktuelle Standortdaten handelt – für viele überraschend und potenziell verwirrend.
Zwischen mehr Vernetzung und weniger Privatsphäre
Mit den neuen Features bewegt sich Instagram auf einem schmalen Grat: Während die Plattform die Funktionen als Stärkung der Community verkauft, fürchten Nutzer unbeabsichtigte Offenlegungen privater Interessen und Aktivitäten. Besonders der „Freunde“-Tab könnte das Verhalten im Netzwerk nachhaltig verändern – und Nutzer dazu bringen, künftig vorsichtiger mit Likes und Kommentaren umzugehen.
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