Die kürzlich vom US-Justizministerium veröffentlichten Millionen neuer Dokumente zu Jeffrey Epstein, dem 2019 verstorbenen Finanzier und verurteilten Sexualstraftäter, bringen neue Bewegung in eine alte Frage: Wer wusste was – und wann?
Zwar sagte US-Vizejustizminister Todd Blanche kürzlich im Fernsehen: „Es ist kein Verbrechen, mit Herrn Epstein auf Partys gewesen zu sein.“ Doch diese Aussage ignoriert den Schmerz der Opfer und verkennt die politische und gesellschaftliche Sprengkraft des Skandals.
Die Unterlagen zeigen, wie Epstein ein Netzwerk aus Politik, Wirtschaft, Adel, Wissenschaft und Unterhaltung spannte – global und über Jahrzehnte hinweg. Namen wie Bill Clinton, Donald Trump, Tech-Milliardäre, Diplomaten, Royals und Minister tauchen in E-Mails, Einladungen und Reiseplänen auf. Viele bestreiten heute jede Kenntnis von Epsteins kriminellen Aktivitäten. Doch angesichts der Ausmaße erscheint „Nichtwissen“ zunehmend unglaubwürdig.
Epstein habe gezielt Kontakte gepflegt, Einfluss gehandelt und seinen gesellschaftlichen Status genutzt, um junge Frauen auszubeuten – selbst nach seiner ersten Verurteilung 2008. Seine „Gästeliste“ wurde dadurch nicht kürzer, sondern wuchs weiter.
Besonders betroffen: Großbritannien und Norwegen. Der frühere britische Minister Peter Mandelson steht nun wegen möglicher Weitergabe vertraulicher Informationen unter strafrechtlicher Untersuchung. Auch Prinz Andrew und Norwegens Kronprinzessin Mette-Marit geraten erneut unter Druck.
In den USA hingegen bleibt eine größere politische Aufarbeitung bislang aus. Präsident Trump distanziert sich in öffentlichen Aussagen von Epstein – obwohl frühere Zitate anderes nahelegen. Einige Kommentatoren vermuten sogar, dass die Enthüllungen Trumps Anti-Eliten-Narrativ unfreiwillig stützen könnten.
Unterm Strich bleibt die Kernfrage: Wie viele der einstigen Epstein-Vertrauten waren zwar nicht strafrechtlich beteiligt – aber moralisch mitverantwortlich? Die Enthüllungen dürften noch lange politische und gesellschaftliche Debatten nähren – und das Vertrauen in Eliten weiter beschädigen.
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