Neue Dokumente zeigen, dass der verurteilte Sexualstraftäter Jeffrey Epstein 2013 versuchte, einen Konflikt zwischen Microsoft-Mitgründer Bill Gates und dessen Berater Boris Nikolic zu schlichten.
Epstein, der über Jahre Kontakt zu hochrangigen Persönlichkeiten pflegte, schrieb sich selbst E-Mails, in denen er unter anderem behauptete, Gates habe seine Hilfe bei der Beschaffung von Antibiotika in Anspruch genommen, nachdem dieser sich bei sexuellen Kontakten mit „russischen Mädchen“ eine Geschlechtskrankheit zugezogen habe.
Ob Epstein in diesen Nachrichten für sich selbst oder im Namen von Nikolic sprach, ist unklar. Die E-Mails, die Medien vorliegen, zeigen jedoch, dass Epstein eine vermittelnde Rolle zwischen Gates, Nikolic und einem Mann namens Larry Cohen spielte – letzterer ist Leiter von Gates Ventures, einer privaten Investmentfirma.
Beziehung zwischen Gates und Epstein ging über Philanthropie hinaus
Die Dokumente zeigen, dass Gates und Epstein über Jahre in Kontakt standen – von 2010 bis mindestens 2014. In dieser Zeit tauschten sie zahlreiche E-Mails aus, in denen auch persönliche Treffen geplant wurden. Epstein, der damals bereits als Sexualstraftäter verurteilt war, wurde offenbar als Mittelsmann in geschäftlichen und persönlichen Angelegenheiten einbezogen.
Zudem zeigen frühere Veröffentlichungen aus dem Epstein-Nachlass, dass Gates mit Frauen fotografiert wurde, deren Gesichter unkenntlich gemacht wurden, sowie mit Epstein selbst und dem früheren britischen Prinzen Andrew.
Gates-Sprecher: „Absurd und falsch“
Ein Sprecher von Bill Gates wies die Vorwürfe entschieden zurück: Die E-Mails enthielten „völlig absurde und unwahre Behauptungen eines nachweislich verärgerten Lügners“. Gates habe nie an den „schrecklichen Aktivitäten“ teilgenommen, mit denen Epstein in Verbindung gebracht werde.
Die Dokumente zeigten vielmehr, wie sehr Epstein versuchte, sich Gates anzunähern – und wie weit er ging, um ihn unter Druck zu setzen oder zu diskreditieren.
Konflikt um Nikolics Rolle bei Gates Ventures
Die Beziehung zwischen Gates und Nikolic scheint 2013 in die Brüche gegangen zu sein. In einer E-Mail vom 1. Juli schrieb Gates an Nikolic, dass eine berufliche Trennung nötig sei, man diese jedoch möglichst positiv gestalten wolle. Nikolic reagierte emotional und versicherte, er sei ein loyaler Freund und Mitarbeiter geblieben.
Nur Tage später schrieb Epstein zwei E-Mails an sich selbst, in denen er sich offenbar in Nikolics Rolle versetzte. Er behauptete unter anderem, Gates habe ihn (Nikolic) zu moralisch fragwürdigen Handlungen gedrängt – darunter das Decken außerehelicher Affären und die Beschaffung von Medikamenten wie Adderall für Turniere.
Versöhnungsversuche scheiterten offenbar
Obwohl Gates und Nikolic versuchten, eine Einigung zu finden, deutet die E-Mail-Korrespondenz darauf hin, dass die Bemühungen scheiterten. Gates schrieb am 27. August 2013 an Epstein, dass er Nikolic keine weiteren Zugeständnisse machen könne. „Wenn jemand einmal mehr will, hat es kein Ende.“
Dennoch hielten Gates und Epstein bis mindestens 2014 Kontakt, Cohen kommunizierte mit Epstein sogar bis 2019 – lange nachdem öffentlich wurde, dass Epstein in großem Stil Mädchen und junge Frauen sexuell ausgebeutet hatte.
Gates: „Jede Minute mit Epstein war ein Fehler“
In einem Interview erklärte Gates, er habe Epstein 2011 kennengelernt und gehofft, über ihn Zugang zu wohlhabenden Unterstützern für philanthropische Projekte zu bekommen. Heute bereue er jeden Kontakt: „Jede Minute, die ich mit ihm verbracht habe, tut mir leid.“
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