Der Schweizer Lebensmittelriese Nestlé steht vor einem der größten Umstrukturierungsprogramme seiner Geschichte: Das Unternehmen will in den kommenden zwei Jahren weltweit rund 16.000 Arbeitsplätze abbauen. Der Schritt ist Teil eines umfassenden Kostensenkungsplans, den der neue Vorstandsvorsitzende Philip Navratil unmittelbar nach seinem Amtsantritt eingeleitet hat.
Neuer Chef, neuer Kurs
„Die Welt verändert sich – und Nestlé muss sich schneller verändern“, erklärte Navratil bei der Vorstellung der aktuellen Geschäftszahlen. Der Manager, der im September die Konzernleitung übernommen hat, will den Fokus künftig stärker auf Effizienz, Profitabilität und Digitalisierung legen. Der Umbau solle helfen, den Konzern agiler und wettbewerbsfähiger zu machen.
Die geplanten Stellenstreichungen betreffen vor allem Bürojobs: Etwa 12.000 Positionen in Verwaltung, Marketing und Supportfunktionen sollen wegfallen. Weitere 4.000 Arbeitsplätze werden im Zuge bereits laufender Produktions- und Lieferketteninitiativen abgebaut. Der Konzern betonte, der Prozess werde sich über zwei Jahre erstrecken und sozialverträglich gestaltet.
Umsatzrückgang trotz starker Marken
Nestlé, zu dessen Marken unter anderem Nespresso, KitKat, Maggi und Perrier gehören, verzeichnete im Zeitraum von Januar bis September einen Umsatzrückgang von 1,9 Prozent auf umgerechnet 71 Milliarden Euro. Besonders schwach liefen die Geschäfte in Europa und Nordamerika, wo steigende Rohstoffpreise und Konsumzurückhaltung auf die Margen drückten.
Navratil kündigte an, die „operative Disziplin zu verschärfen“ und das Produktportfolio zu überprüfen. Weniger rentable Geschäftsbereiche könnten verkauft oder restrukturiert werden.
Schatten des Führungswechsels
Navratil hatte das Amt von Laurent Freixe übernommen, der nach internen Ermittlungen wegen einer nicht offengelegten Beziehung zu einer Mitarbeiterin entlassen worden war. Der Führungswechsel kam für viele Beobachter überraschend, doch Navratil gilt als erfahrener Stratege mit einem klaren Fokus auf Rentabilität.
Kritik und Sorgen um Arbeitsplätze
Während Investoren den Sparkurs begrüßen, reagieren Arbeitnehmervertreter mit Sorge und Kritik. Gewerkschaften warnen vor den sozialen Folgen eines massiven Stellenabbaus in Europa und Asien. Auch in der Schweiz könnten Hunderte Arbeitsplätze betroffen sein.
„Nestlé darf seine Transformation nicht auf Kosten der Mitarbeiter durchführen“, erklärte ein Sprecher der Gewerkschaft Unia.
Zukunftspläne: Digitalisierung und Nachhaltigkeit
Trotz der Einschnitte plant Nestlé Investitionen in Automatisierung, KI-basierte Produktionssteuerung und nachhaltige Verpackungslösungen. Ziel sei es, langfristig Kosten zu senken und Umweltziele zu erreichen.
Navratil sprach von einem „notwendigen, aber schwierigen Schritt in eine neue Ära“. Mit dem Umbau wolle Nestlé „stärker, digitaler und nachhaltiger“ werden – doch der Preis dafür ist hoch: 16.000 Menschen weltweit verlieren ihren Arbeitsplatz.
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