Die US-Raumfahrtbehörde Nasa hat die missglückte Starliner-Mission aus dem Jahr 2024 offiziell als sogenannten „Type A“-Zwischenfall eingestuft – die schwerste Kategorie in ihrem Sicherheitsbewertungssystem. Damit wird der Vorfall auf eine Stufe mit den tödlichen Space-Shuttle-Katastrophen von Challenger (1986) und Columbia (2003) gestellt.
Die höchste Einstufung gilt für Ereignisse mit Schäden von mehr als zwei Millionen US-Dollar, dem Verlust eines Raumfahrzeugs oder seiner Kontrolle oder bei Todesfällen. Zwar sei es bei der Starliner-Mission zu keinen Verletzungen gekommen, erklärte die Nasa. Dennoch habe „das Potenzial für einen schwerwiegenden Zwischenfall“ bestanden.
Neun Monate im All gestrandet
Die Mission sorgte weltweit für Schlagzeilen, nachdem die Astronauten Suni Williams und Butch Wilmore deutlich länger als geplant im All bleiben mussten. Aus einer ursprünglich auf acht bis 14 Tage angesetzten Testmission wurde ein monatelanger Aufenthalt auf der Internationalen Raumstation ISS. Erst im März 2025 konnten sie mit einer SpaceX-Kapsel zur Erde zurückkehren. Beide Astronauten sind inzwischen im Ruhestand.
Das Raumfahrzeug Starliner wird vom Luft- und Raumfahrtkonzern Boeing entwickelt. Laut dem nun veröffentlichten, 312 Seiten starken Untersuchungsbericht gab es bereits bei früheren Missionen technische Probleme, dennoch sei das Raumschiff für den Testflug freigegeben worden.
Scharfe Kritik an Boeing und Nasa
Nasa-Chef Jared Isaacman, seit Ende 2025 im Amt, übte deutliche Kritik – sowohl an Boeing als auch an der eigenen Behörde. Es habe „Fehlentscheidungen und Führungsversagen“ gegeben. In einer Stellungnahme erklärte er: „Wir korrigieren diese Fehler. Wir übernehmen Verantwortung, damit sich so etwas nie wiederholt.“
Der Bericht nennt unter anderem Hardware-Defekte, mangelhafte technische Ausführung, fehlende Aufsicht sowie kulturelle Probleme innerhalb der beteiligten Organisationen. Diese hätten dazu geführt, dass Sicherheitsstandards der Nasa nicht ausreichend erfüllt worden seien.
Isaacman betonte zudem: „Zwar hat Boeing den Starliner gebaut, doch Nasa hat ihn akzeptiert und zwei Astronauten ins All geschickt. Wir müssen unsere Fehler eingestehen und sicherstellen, dass sie sich nicht wiederholen.“
Die Nasa kündigte an, die Empfehlungen des Berichts umzusetzen und entsprechende Korrekturmaßnahmen einzuleiten.
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