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Nach Tod Chameneis: Angst, Unsicherheit – und heimliche Freude in Teheran

sadeghshafiee91 (CC0), Pixabay
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Als die Menschen in Iran am 1. März erwachten, war nichts mehr wie zuvor. Zum ersten Mal seit fast vier Jahrzehnten lebten sie in einem Land ohne den Obersten Führer Ajatollah Ali Chamenei. Der langjährige Machthaber war bei gemeinsamen Luftangriffen der USA und Israels getötet worden.

In der Hauptstadt Teheran herrschte eine ungewöhnliche Stimmung – eine Mischung aus Stille, Furcht, offizieller Trauer und verborgener Erleichterung, berichten Einwohner. „Es war seltsam ruhig. Für Teheran, wo sonst ständig Stau herrscht, waren die Straßen fast leer“, sagt Ali, ein 42-jähriger Ladenbesitzer.

Chamenei galt 36 Jahre lang als oberste Autorität der Islamischen Republik und als Hüter ihrer strengen religiösen und gesellschaftlichen Ordnung. Mit seinem Tod beginnt für das Land eine Phase tiefgreifender Unsicherheit. Das Verfahren zur Bestimmung eines Nachfolgers wurde eingeleitet, während die militärischen Auseinandersetzungen weiter andauern.

Die Luftangriffe begannen am 28. Februar gegen 8.15 Uhr morgens Ortszeit – zum Start der iranischen Arbeitswoche. Viele Menschen wurden von Explosionen überrascht. Eltern eilten zurück zu Schulen, um ihre Kinder abzuholen. „Als Trump sagte, Hilfe sei unterwegs, fühlten wir Freude und Hoffnung“, erzählt Somayeh, 25, Architekturstudentin. „Doch je länger es dauerte, desto größer wurde unsere Sorge, dass das Regime vielleicht doch noch einen Deal abschließt.“

Am Tag nach den Angriffen blieben viele Geschäfte geschlossen. Immer wieder waren Explosionen zu hören, schwarzer Rauch stieg über Teilen der Stadt auf. Wer konnte, blieb zu Hause. Gleichzeitig gab es lange Schlangen vor Tankstellen und Bäckereien.

Offiziellen Angaben zufolge wurden seit Beginn der Angriffe mindestens 201 Menschen im Iran getötet und 747 verletzt. Besonders verheerend soll ein Raketeneinschlag in eine Schule im Süden des Landes gewesen sein, bei dem laut iranischen Behörden 153 Menschen ums Leben kamen, darunter Kinder. Diese Zahlen lassen sich unabhängig nicht überprüfen. Auch drei US-Soldaten wurden nach Angaben des Pentagon bei der Operation getötet.

Zwischen Euphorie und Furcht

Nicht alle reagierten mit Trauer auf den Tod des Obersten Führers. „Die Welt ist ein besserer Ort geworden. Wir haben jahrelang auf diesen Moment gewartet“, sagt Reza, ein Regimekritiker. Viele hoffen auf das Ende der Islamischen Republik.

Doch die Freude ist von Angst begleitet. Die Revolutionsgarden und die Sicherheitskräfte haben weiterhin großen Einfluss. Erst im Januar war es laut einem iranischen Beamten bei Protesten zu einem massiven Vorgehen der Sicherheitskräfte gekommen, bei dem tausende Regierungsgegner getötet worden sein sollen.

Eine Umfrage vom November 2025 deutete darauf hin, dass die Unzufriedenheit mit dem Regime landesweit zunimmt. Eine Mehrheit der Befragten sprach sich demnach gegen die theokratische Staatsform aus.

Ehsan, 32, Bankangestellter in Teheran, schildert seine Reaktion auf die Nachricht vom Angriff auf das Gelände, in dem Chamenei lebte und arbeitete: „Mein ganzer Körper hat gezittert – vor Aufregung.“ Kurz darauf sei das Internet ausgefallen. Als schließlich bestätigt wurde, dass Chamenei tatsächlich tot ist, sei er auf das Dach seines Hauses gelaufen und habe vor Freude geweint. „Man hörte Klatschen, Gesang und Rufe wie ‚Javid Schah‘ – ‚Lang lebe der Schah‘“, berichtet er mit Bezug auf die vor 1979 herrschende Monarchie.

Auch Somayeh erzählt, ihre Familie habe gejubelt „wie nach einem Tor unserer Lieblingsmannschaft“. Manche Anwohner spielten laute Musik aus den Fenstern. Doch die Erleichterung sei von Zweifel begleitet gewesen: „Wir hatten Angst, dass es nicht stimmt. Wir wollten es nicht glauben, falls es sich als falsch herausstellt.“

Offizielle Trauer und pro-regierungstreue Kundgebungen

Während es in einigen Orten zu spontanen Jubelszenen kam – Berichten zufolge wurde in einer Stadt im Südwesten ein Denkmal für Revolutionsführer Ajatollah Chomeini gestürzt – dominierten in Teheran öffentliche Trauerkundgebungen. Menschen hielten Porträts Chameneis hoch, viele weinten sichtbar.

Die Übergangsführung in Teheran hat angekündigt, den Kurs der Islamischen Republik fortzusetzen. US-Präsident Donald Trump rief die iranische Bevölkerung zum Widerstand gegen das Regime auf und signalisierte zugleich Gesprächsbereitschaft.

Wie sich die Lage weiterentwickelt, ist offen. Zwischen Hoffnung auf politischen Wandel, Angst vor Repression und der Gefahr weiterer militärischer Eskalation steht Iran vor einer ungewissen Zukunft.

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