Der Abschied vom US-Fernsehen fällt offenbar nicht in ein kreatives Loch. Nach dem Ende seiner Late-Night-Show wechselt Stephen Colbert nach Mittelerde: Der Moderator und erklärte Tolkien-Enthusiast soll gemeinsam mit Peter Jackson an einem neuen Film im »Herr der Ringe«-Universum arbeiten.
Stephen Colbert bekommt nach dem Aus seiner CBS-Sendung offenbar nahtlos eine neue prominente Aufgabe: Der US-Moderator und Komiker wird an einem neuen Kinofilm aus dem »Lord of the Rings«-Franchise mitschreiben und dessen Entwicklung begleiten. Das kündigte Colbert gemeinsam mit Regisseur Peter Jackson in einem Video an.
Für den langjährigen Tolkien-Fan ist das Projekt offenkundig mehr als nur ein Job. »Du weißt, was mir die Bücher bedeuten und was mir deine Filme bedeuten«, sagte Colbert in dem Video an Jackson gerichtet. Der Regisseur hatte mit den »Herr der Ringe«- und »Hobbit«-Trilogien ein Fantasy-Imperium aufgebaut, das weltweit fast sechs Milliarden Dollar einspielte.
Arbeitstitel: »Shadow of the Past«
Nach Angaben des Branchenblatts Deadline trägt das neue Projekt vorläufig den Titel »Shadow of the Past«. Es handelt sich demnach um den zweiten von zwei neuen »Herr der Ringe«-Filmen, die derzeit bei Warner Bros. Discovery und New Line Cinema in Entwicklung sind.
Warner Bros. verbreitete die Ankündigung selbst über seine sozialen Kanäle – ein Hinweis darauf, dass das Studio das Projekt nicht nur als Fan-Service, sondern als ernsthafte Erweiterung des Franchise versteht.
Colbert will Lücken aus »Die Gefährten« füllen
Inhaltlich soll sich der Film ausgerechnet einem Bereich widmen, den Peter Jacksons ursprüngliche Trilogie ausgespart hatte. Colbert sagte, ihn hätten beim wiederholten Lesen vor allem jene sechs frühen Kapitel aus »Die Gefährten« fasziniert, die nie in den ersten Film übernommen wurden.
»Ich habe diese Kapitel immer wieder gelesen«, sagte Colbert. Irgendwann habe er sich gefragt, ob darin nicht eine eigenständige Geschichte stecke, die sich in die größere Erzählung von Mittelerde einfügen ließe.
Damit deutet sich an, dass »Shadow of the Past« nicht einfach ein weiteres Prequel oder ein loses Spin-off werden soll, sondern ein Film, der bewusst in die erzählerischen Zwischenräume von Tolkiens Vorlage hineingeht – also genau in jene Zone, die bei Hardcore-Fans regelmäßig zu den umkämpftesten gehört.
Idee mit dem Sohn entwickelt
Den Angaben zufolge entwickelte Colbert die Grundidee zunächst gemeinsam mit seinem Sohn Peter McGee, der als Drehbuchautor arbeitet. Danach habe es allerdings einige Zeit gedauert, bis er sich traute, Peter Jackson tatsächlich anzurufen.
»Es hat ein paar Jahre gedauert, bis ich meinen Mut zusammengesammelt hatte«, sagte Colbert. Vor rund zwei Jahren habe er Jackson schließlich kontaktiert – und der habe die Idee offenbar ernst genug genommen, um weiter darüber zu sprechen.
Inzwischen arbeitet Colbert nach eigenen Angaben gemeinsam mit
- Peter Jackson
- seinem Sohn Peter McGee
- sowie der langjährigen »Herr der Ringe«-Autorin Philippa Boyens
an der Entwicklung des Stoffes.
»Ich könnte nicht glücklicher sein«, sagte Colbert.
Parallel läuft bereits »The Hunt for Gollum«
Jackson nutzte die Ankündigung zugleich, um ein Update zum nächsten bereits bekannten Film aus dem Franchise zu geben: »The Hunt for Gollum«, der 2027 erscheinen soll.
Das Projekt wird von Andy Serkis inszeniert, der in Jacksons Trilogie Gollum spielte und auch diesmal wieder mitwirken soll. Damit setzt Warner Bros. bei der Wiederbelebung der Marke klar auf vertraute Namen aus dem ursprünglichen Kosmos.
Das Ende von »The Late Show« als neuer Anfang
Colberts Ausflug nach Mittelerde kommt zu einem Zeitpunkt, an dem sich seine Fernsehkarriere gerade neu sortiert. Im Januar hatte er angekündigt, dass die letzte Ausgabe von »The Late Show with Stephen Colbert« am 21. Mai ausgestrahlt wird. CBS hatte die trotz guter Quoten erfolgreiche Sendung im vergangenen Jahr mit Verweis auf wirtschaftlichen Druck eingestellt.
Colbert spielte in seiner Ankündigung selbstironisch auf das Ende seiner Show an:
»Es stellt sich heraus, dass ich ab diesem Sommer frei bin.«
Tolkien-Nerd mit Expertenstatus
Dass ausgerechnet Colbert nun am »Herr der Ringe«-Stoff mitschreibt, dürfte für viele Fans weniger absurd klingen, als es auf den ersten Blick scheint. Der Moderator gilt seit Jahren als einer der prominentesten Tolkien-Kenner im US-Entertainment.
Immer wieder baute er in seinen Sendungen Anspielungen auf Tolkiens Werk ein. 2014 moderierte er bei der Comic-Con sogar ein »Hobbit«-Panel – in voller Kostümierung.
Was bei anderen Prominenten wie Fan-Kosmetik wirken würde, gilt bei Colbert eher als ernsthafte Obsession.
Zwischen Fanliebe und Franchise-Risiko
Für Warner Bros. ist das Projekt dennoch ein Balanceakt. Die »Herr der Ringe«-Marke bleibt eines der wertvollsten Fantasy-Franchises der Filmgeschichte – zugleich ist das Publikum notorisch empfindlich, wenn es um Eingriffe in Tolkiens Kanon geht.
Dass nun ausgerechnet ein Late-Night-Moderator an einem neuen Stoff mitschreibt, dürfte manche Fans skeptisch machen. Andere werden darin genau den Vorteil sehen: einen Autor, der nicht bloß eine Marke bedient, sondern seit Jahrzehnten in Tolkiens Welt lebt.
Ob daraus ein kluger Ausflug in die erzählerischen Lücken von »Die Gefährten« wird oder nur ein weiterer Versuch, ein Franchise bis in den letzten Anhang auszuschlachten, dürfte sich erst zeigen.
Für Stephen Colbert jedenfalls ist der Karrierewechsel erstaunlich elegant:
Vom Monolog am Schreibtisch direkt nach Mittelerde.
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