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Mutter aller Deals“: Indien und EU kurz vor historischem Freihandelsabkommen – Trumps Zollpolitik im Nacken

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Während US-Präsident Donald Trump mit Strafzöllen gegen Verbündete droht und außenpolitisch wie ein Orkan durch internationale Handelsbeziehungen fegt, stehen Indien und die Europäische Union (EU) kurz davor, ein epochales Freihandelsabkommen abzuschließen. Ein Deal, der nicht weniger als die „Mutter aller Handelsabkommen“ genannt wird – und möglicherweise das geopolitische Machtgefüge nachhaltig verschiebt.

Der Abschluss der Verhandlungen, die sich über fast zwei Jahrzehnte hinzogen, könnte am 27. Januar 2026 bei einem hochrangigen Gipfeltreffen in Neu-Delhi verkündet werden. Passend zum symbolträchtigen Anlass werden EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen und EU-Ratspräsident Antonio Luis Santos da Costa die Ehrengäste bei den Feierlichkeiten zum indischen Nationalfeiertag sein – eine diplomatische Geste mit Signalwirkung.

Modi sucht neue Partner – Trump liefert die Argumente

„Indien sendet damit ein deutliches Zeichen: Die eigene Außenwirtschaftspolitik ist diversifiziert – und nicht länger dem Gutdünken des Weißen Hauses unterworfen“, analysiert Chietigj Bajpaee vom Thinktank Chatham House. Tatsächlich stellt das bevorstehende Abkommen eine Abkehr von der protektionistischen Vergangenheit Indiens dar – und eine Hinwendung zur Welt.

Denn für Neu-Delhi ist der Deal mit Brüssel nicht nur ökonomisch bedeutsam, sondern auch eine strategische Reaktion auf Trumps Zölle, die 2025 auf bis zu 50 Prozent für indische Waren gestiegen waren. Für die EU wiederum ist Indien eine attraktive Alternative zu einem zunehmend als „unzuverlässig“ wahrgenommenen Handelspartner: China.

Zwei Milliarden Menschen, ein gemeinsamer Markt

Wirtschaftlich geht es um viel: Zusammen bilden EU und Indien einen Binnenmarkt von rund zwei Milliarden Menschen, der laut von der Leyen etwa ein Viertel der globalen Wirtschaftsleistung repräsentiert. Indien selbst steht kurz davor, mit einem Bruttoinlandsprodukt von 4 Billionen US-Dollar sogar Japan zu überholen.

Im Jahr 2025 exportierte Indien Waren im Wert von 76 Milliarden Dollar in die EU – und importierte Güter im Wert von 61 Milliarden. Doch der Verlust der EU-Handelspräferenzen (GSP) im Jahr 2023 hatte die Wettbewerbsfähigkeit vieler indischer Produkte geschwächt. Ein FTA könnte diese Marktzugänge wieder öffnen.

Sektoren, Zölle, rote Linien

Der geplante Vertrag sieht vor, Zölle schrittweise abzubauen, etwa auf indische Exporte wie Textilien, Pharmazeutika, Stahl, Maschinen und Petroleumprodukte. Gleichzeitig will Indien sensible Bereiche wie Landwirtschaft und Milchprodukte abschirmen – und gewährt bei Autos, Wein und Spirituosen eine langsame Zollsenkung, ähnlich wie in früheren Deals mit Großbritannien.

Doch es gibt auch Knackpunkte: Die EU fordert besseren Schutz geistigen Eigentums und strengere Datenschutzstandards. Indien wiederum lehnt den neuen EU-Kohlenstoffgrenzzoll (CBAM) ab, der selbst bei null Einfuhrzöllen als „verdeckte Marktbarriere“ wirkt – besonders für kleinere Unternehmen, die mit hohen Bürokratiekosten und Emissionspauschalen zu kämpfen hätten.

Ein geopolitischer Befreiungsschlag?

Trotz Differenzen sei die Einigung greifbar, sagen Analysten. Alex Capri von der National University of Singapore meint: „Dieses Abkommen ist mehr als Wirtschaft – es ist ein Mittel zur Entkoppelung von den USA und China.“ Gerade Trumps erratische Handelspolitik und die zunehmende Instrumentalisierung von Lieferketten hätten den Drang nach verlässlichen Partnern verstärkt.

Selbst Menschenrechtsbedenken und hohe CO₂-Emissionen auf indischer Seite – bisher Bremsklötze für das EU-Parlament – könnten durch Indiens Reduktion von Ölimporten aus Russland entschärft werden.

„In einer Welt, in der Trump wieder an Einfluss gewinnt, erscheinen Indien und die EU als zwei Pfeiler einer neuen, multipolaren Handelsordnung“, so Analystin Sumedha Dasgupta.

Fazit: Sollte das Abkommen tatsächlich am 27. Januar unterzeichnet werden, markiert es nicht nur das Ende eines zähen Verhandlungsprozesses – sondern auch den Beginn einer neuen Ära für den globalen Handel.

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