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Mozartkugelkrieg eskaliert: Originalrezept von 1880? – „Na geh, das war nur Marzipan mit Haltung“

Hans (CC0), Pixabay
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In der Heimat von Mozart, Schnitzel und halboffenen Familiengeheimnissen tobt wieder ein erbitterter Krieg – nicht um Land, Macht oder Politik, sondern um das wohl rundeste Streitobjekt der österreichischen Süßwarenwelt: die Mozartkugel. Genauer gesagt: um die Frage, wer sie wann erfunden hat, wem sie gehört – und ob das überhaupt noch wen interessiert, solange sie schmeckt.

Historiker-Detektiv entdeckt Inserat von 1881 – Chaos bricht aus

Alles begann mit einem Mann und einem alten Zeitungsinserat. Historiker Gerhard Ammerer, offenbar mit einem Faible für historische Kalorienbomben, entdeckte in der „Presse“ vom 3. Februar 1881 eine Anzeige: „Salzburger Spezialität Mozartkugeln – handgefertigt von R. Baumann“. Für den Historiker ein Fund wie das Bernsteinzimmer, nur süßer.

Prompt witterte Konditor Holzermayr, der in direkter (und sehr praktischer) Nachfolge zu Baumann steht, die Gelegenheit: „Na bumm, das ist ja quasi ein Originalrezept!“ – dachte man sich wohl – und warb munter mit: „Nach dem Originalrezept von 1880.“

Gericht: Originalrezept? Zeig her oder schweig still.

Doch das Salzburger Landesgericht war wenig beeindruckt von nostalgischen Gefühlen und forderte: Originalrezept oder keine Originalbehauptung. Da aber niemand ein handschriftliches Rezept aus dem 19. Jahrhundert auf Butterbrotpapier vorlegen konnte, kam die einstweilige Verfügung wie eine kalte Schokoladenglasur über Holzermayr.

Der Spruch des Gerichts: Kein Rezept, keine Werbung. Oder in freier Übersetzung: „Mozart hätte das auch nicht lustig gefunden.“

Holzermayr reagiert – von Originalrezept zu Traditions-Remix

In einer Art PR-Pirouette wurde der Slogan flugs umformuliert zu „nach der Tradition von 1880“ – was rechtlich vage genug klingt, um vielleicht durchzuschlüpfen, aber dennoch traditionsbewusst genug für den österreichischen Mehlspeisenmarkt.

Fun Fact: Die Pralinen kommen übrigens gar nicht mehr aus Salzburg, sondern aus Gloggnitz in Niederösterreich, produziert von Lindt & Sprüngli. Man munkelt, Mozart sei nie dort gewesen.

Fürst faucht: „Wir sind die Echten – die anderen sind nur hübsch verpackt“

Die traditionsreiche Konditorei Fürst, die die „echte“ Mozartkugel seit 1890 herstellt, versteht beim Thema Marzipan keinen Spaß. Fürst-Geschäftsführer Martin Fürst erklärte kämpferisch:

„Ich bin kein Streithansl, aber wenn Industrie-Schoki mit historischer Poesie glasiert wird, müssen wir handeln.“

Fürst verweist stolz auf das angeblich einzig wahre Rezept von Urgroßvater Paul Fürst – und kündigt weitere rechtliche Schritte an, denn der neue Slogan von Holzermayr sei ebenfalls „unhaltbar“. (Anm. d. Red.: Unklar bleibt, ob das auf den Claim oder die Kalorienzahl der Kugeln gemünzt war.)

Plötzliche Wendung: War es eigentlich eine Frau?

Wie in jedem guten Historiendrama kommt es auch hier zur späten Rehabilitierung einer übersehenen Figur: Eine gewisse Louise Karuth, laut Aufzeichnungen eine ehemalige Mitarbeiterin von Baumann, wird plötzlich als eigentliche Erfinderin der Mozartkugel ins Spiel gebracht.

Ob sie tatsächlich das Rezept entwickelt oder einfach nur gute Notizen gemacht hat, ist unklar. Historiker Ammerer sieht es gelassen und deutet an, das Ganze sei wohl eine Mischung aus Überlieferung, Zutat und Zufall – wie die Kugel selbst.

Sein Fazit: „Der ‚Originalrezept‘-Slogan war ein Schnellschuss. Wie ein Nougatkern ohne Ummantelung – klingt gut, schmeckt aber bitter.“

Und was bleibt?

Eine Kugel. Mehrere Geschichten. Und viele Juristen mit Zuckerschock.

Vielleicht ist es an der Zeit, die Mozartkugel einfach wieder das sein zu lassen, was sie am besten kann: eine süße Ablenkung von der Realität. Ob von Fürst, Holzermayr oder dem Supermarktregal – Hauptsache rund.

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