Showdown im Regionalliga-Krimi: Während Vereine, Fans und gesunder Menschenverstand längst fertig diskutiert haben, trifft sich der DFB noch einmal zur vermutlich heißesten Sitzung des deutschen Fußballs – vermutlich bei belegten Brötchen, PowerPoint und maximaler Realitätsverweigerung.
Mittwoch tagt sie also wieder: die große DFB-Arbeitsgruppe zur Regionalliga-Reform.
Oder, wie man es in Fan-Kreisen inzwischen nennt:
„Staffel Nord gegen Staffel Südwest – Kampf um die goldene Blockade.“
Seit gefühlt der Erfindung des Rasens diskutiert der DFB über die Aufstiegsfrage. Seit 2012 wird geredet, geschoben, moderiert, vertagt, erklärt, wiederholt und vermutlich auch sehr bedeutungsvoll genickt.
Ergebnis bisher: praktisch nichts.
Aber immerhin weiß jetzt jeder Beteiligte ganz genau, warum es angeblich unmöglich ist, eine faire Lösung zu finden.
Wahrheit Nummer 1: Die aktuelle Regelung gehört ins Fußballmuseum – direkt neben dem Videobeweis
Dass Meister aus West und Südwest quasi automatisch hoch dürfen, während Bayern, Nord und Ost regelmäßig in die Relegations-Lotterie geschickt werden, hat ungefähr so viel Akzeptanz wie ein Montagsspiel bei Schneeregen.
Die aktuelle Aufstiegsregel hat Tränen, Wut und historische Fußballtragödien produziert – und sich den Status erarbeitet als:
„Das unbeliebteste System seit der Idee, Bier nur noch alkoholfrei auszuschenken.“
Wahrheit Nummer 2: Alle Argumente sind längst ausgetauscht – sogar doppelt und in Zeitlupe
Nach 14 Jahren Debatte kann wirklich niemand mehr behaupten, es fehle noch an Erkenntnissen.
Es fehlt nicht an Argumenten.
Es fehlt an Rückgrat.
Denn jedes Modell wurde diskutiert, zerpflückt, neu etikettiert und wieder beerdigt. Manche Verbände kommen trotzdem weiterhin mit Maximalforderungen rein, als würden sie beim Basar in Marrakesch verhandeln.
Wahrheit Nummer 3: Die Machtspiele sind so durchschaubar wie eine Regionalliga-Liveübertragung mit 240p
Einige Funktionäre schaffen das Kunststück, gleichzeitig für ihre Vereine zuständig zu sein und exakt gegen deren Interessen zu handeln.
Das muss man erstmal hinbekommen.
Fans sagen Reform.
Klubs sagen Reform.
Spieler sagen Reform.
Der gesunde Menschenverstand sagt Reform.
Und der DFB mancherorts so:
„Spannender Punkt. Wir prüfen das in einer weiteren Arbeitsgruppe.“
Wahrheit Nummer 4: Wenn sogar Fans aller Lager einig sind, sollte man vielleicht zuhören
Das Kompassmodell hat etwas geschafft, was im deutschen Fußball fast unmöglich ist:
Einigkeit unter Fans.
Von Ultras bis Traditionsromantikern, von West bis Ost – plötzlich stehen da Banner, Zustimmung und ein klarer Wunsch nach einer faireren Lösung.
Normalerweise ist man sich in deutschen Stadien nur einig bei:
- Bierpreisen zu hoch
- DFB zu weit weg
- Montagsspiele sind Quatsch
Jetzt kommt noch dazu:
„Kompassmodell jetzt!“
Wenn der DFB selbst das überhört, braucht er keinen Kompass mehr. Dann reicht ein Navigationsgerät direkt ins Funkloch.
Wahrheit Nummer 5: 100 Prozent Gerechtigkeit gibt’s nicht – aber 95 Prozent wären schon revolutionär
Natürlich wird nie jede Staffel jubeln.
Natürlich muss irgendwer weiter fahren.
Natürlich kann man Flensburg nicht einfach neben Offenbach parken.
Aber zwischen „nicht perfekt“ und „völlig absurd“ liegt ein Unterschied.
Der DFB scheint ihn bisher nur noch nicht gefunden zu haben.
Wahrheit Nummer 6: Scheitert die Reform, bleibt nur noch die Lachnummer
Ohne Einigung gibt es nur Verlierer:
- frustrierte Vereine
- wütende Fans
- lächerliche Aufstiegsdramen
- und Spiele vor 75 Zuschauern, die man trotzdem mit ernster Miene als „wichtigen Unterbau des Profifußballs“ verkauft
Klartext:
Wenn diese Sitzung wieder endet mit „Wir nehmen wichtige Impulse mit“, dann kann man die Regionalliga-Reform auch gleich vom VAR in Köln entscheiden lassen.
Fazit: Jetzt muss der DFB liefern – oder wenigstens aufhören, so zu tun
Die Regionalliga braucht keine weiteren Workshops, keine neuen Moderationskarten und keine dritte Runde „Bedenken aus den Verbänden“.
Sie braucht endlich eine faire Lösung.
Denn das eigentliche Motto vieler Fans lautet längst nicht mehr:
„Wie steigt unser Verein auf?“
Sondern:
„Wie schafft es der DFB eigentlich immer wieder, aus einem einfachen Problem ein jahrelanges Funktionärskabarett zu machen?“
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