In der politischen Krise der Mongolei hat das Verfassungsgericht eine überraschende Wende herbeigeführt: Der Antrag des Parlaments, mit dem Ministerpräsident Gombodschawyn Dsandanschatar abgesetzt werden sollte, wurde als verfassungswidrig eingestuft. Nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Montsame verstieß das Verfahren im Großen Staats-Chural, dem mongolischen Parlament, gegen mehrere zentrale Rechtsnormen.
Damit bleibt Dsandanschatar, der der regierenden Mongolischen Volkspartei (MVP) angehört, weiterhin im Amt. Der Politiker hatte seine Aufgaben seit der Parlamentsentscheidung lediglich interimsmäßig fortgeführt, bis das Gerichtsurteil vorlag.
Juristisches Nachspiel einer politischen Krise
Das Urteil des Verfassungsgerichts könnte die politische Landschaft in Ulaanbaatar deutlich verändern. Der Antrag auf Absetzung war zuvor mit einer knappen Mehrheit angenommen worden, nachdem Oppositionsparteien der Regierung Amtsmissbrauch und wirtschaftliches Fehlmanagement vorgeworfen hatten.
Juristisch argumentierte das Gericht, dass das Absetzungsverfahren formelle Mängel aufgewiesen habe – insbesondere im Hinblick auf die Fristen und die Zulässigkeit der Begründung des Misstrauensantrags. Dadurch sei das Vorgehen des Parlaments nicht mit der Verfassung vereinbar gewesen.
Regierung bleibt handlungsfähig
Mit der Entscheidung des Verfassungsgerichts erhält die Regierung Dsandanschatar nun politische Stabilität und Handlungsfähigkeit zurück, nachdem sie wochenlang im Ausnahmezustand agierte. Beobachter sehen in dem Urteil auch ein Zeichen für die zunehmende Unabhängigkeit der mongolischen Justiz, die in den letzten Jahren stärker gegen politische Einflussnahme vorzugehen versucht.
Ein Regierungssprecher erklärte, der Ministerpräsident wolle nun „die Vertrauenskrise im Parlament überwinden und sich auf wirtschaftliche Reformen konzentrieren“. Dsandanschatar gilt als erfahrener Politiker mit enger Bindung an die Staatspartei, die seit Jahren die politische Entwicklung des Landes prägt.
Ausblick: Machtbalance bleibt fragil
Trotz der juristischen Klärung bleibt die Lage im Parlament angespannt. Teile der Opposition kündigten an, das Urteil politisch zu hinterfragen und mögliche Verfassungsänderungen zu prüfen, um zukünftige Amtsenthebungen rechtssicher zu gestalten.
Politische Analysten erwarten, dass die Entscheidung des Verfassungsgerichts zwar kurzfristig Stabilität schafft, langfristig aber neue Debatten über Gewaltenteilung und Machtmissbrauch anstoßen wird – ein Thema, das die mongolische Demokratie seit Jahren begleitet.
Mit der Revision seiner Absetzung ist Dsandanschatar nun wieder vollumfänglich Ministerpräsident – ein Sieg für die Regierung, aber zugleich ein Prüfstein für das Vertrauen in die demokratischen Institutionen des Landes.
Kommentar hinterlassen