Ein Mittagessen für über 50 Pfund, ein Familienausflug für mehr als 100 – für viele britische Haushalte ist das längst keine Selbstverständlichkeit mehr. Selbst Familien mit durchschnittlichem Einkommen beginnen, bei Freizeitaktivitäten zu sparen.
Bianca und Paul Osborne aus Stockport gehören zu denen, die die steigenden Lebenshaltungskosten zunehmend zu spüren bekommen. Beide arbeiten, gemeinsam verdienen sie etwa so viel wie ein durchschnittlicher Haushalt in Großbritannien. Dennoch bleibt nach Abzug der Fixkosten immer weniger übrig.
„Wir überlegen inzwischen genau, ob wir uns einen Ausflug überhaupt leisten können“, sagt Paul. Was früher selbstverständlich war, wird heute zur Ausnahme.
Ein gemeinsames Mittagessen für die vierköpfige Familie kostet schnell rund 52 Pfund. Dazu kommen Eintrittspreise für Freizeitaktivitäten: Ein Besuch im Aquarium, ein Spiel im Lasertag-Center – am Ende summiert sich ein Nachmittag auf mehr als 120 Pfund. „Es war ein schöner Tag, aber wir würden uns gut überlegen, das regelmäßig zu machen“, so Paul.
Ähnlich geht es der Familie George. Obwohl ihr Einkommen über dem Durchschnitt liegt, wird selbst ein Restaurantbesuch zur finanziellen Abwägung. Ein Abend mit Essen und Bowling kostet sie über 200 Pfund. „Das entspricht ein oder zwei Wocheneinkäufen – schwer zu rechtfertigen“, sagt Mutter Rachel. Manchmal verzichten die Eltern sogar selbst auf Essen, damit die Kosten nicht zu hoch werden.
Die Folgen sind auch in der Wirtschaft spürbar. Restaurants und Freizeitanbieter verzeichnen rückläufige Umsätze. Offizielle Zahlen zeigen, dass insbesondere die Gastronomie zuletzt Einbußen hinnehmen musste.
Auch kleinere Betriebe kämpfen ums Überleben. Cafés und Spielzentren berichten von sinkenden Besucherzahlen, während gleichzeitig ihre Kosten steigen. Höhere Löhne, steigende Sozialabgaben und wegfallende staatliche Entlastungen setzen viele Unternehmen zusätzlich unter Druck.
„Die Menschen haben einfach weniger Geld für solche Dinge“, sagt ein Cafébetreiber. Andere berichten, dass Kindergeburtstage kleiner ausfallen oder ganz abgesagt werden.
Hinzu kommt eine weiterhin hohe Inflation. Zwar liegt sie aktuell bei rund drei Prozent, könnte aber durch internationale Krisen weiter steigen. Gleichzeitig wächst das Einkommen vieler Menschen kaum noch real.
Für viele Familien bedeutet das eine Rückkehr zu einfacheren Freizeitaktivitäten. Parks, Museen oder kostenlose Veranstaltungen gewinnen an Bedeutung.
Oder wie Paul Osborne es zusammenfasst: „Wir konzentrieren uns wieder auf die Dinge, die nichts kosten – und trotzdem schön sind.“
Kommentar hinterlassen