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Mit dem Smartphone zum Mond

WikiImages (CC0), Pixabay
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Die Artemis-II-Astronauten schreiben nicht nur Raumfahrtgeschichte – sie sind auch unter den ersten, die iPhones und Android-Geräte ins All mitnehmen dürfen.

Die Mission Artemis II ist in mehrfacher Hinsicht historisch. Vier Astronauten fliegen auf einer zehntägigen Mission um den Mond – so weit von der Erde entfernt wie noch kein Mensch zuvor. An Bord sind zudem mehrere Pioniere der Raumfahrt: die erste Frau, der erste Schwarze Astronaut und der erste Kanadier, die in die Nähe des Mondes gelangen sollen.

Doch neben all den großen Symbolen und Rekorden gibt es auch ein Detail, das deutlich kleiner wirkt – und gerade deshalb so viel über den Wandel der Raumfahrt erzählt:
Die Crew hat ihre Smartphones dabei.

Nach einer neuen NASA-Regelung dürfen Astronautinnen und Astronauten auf Missionen jenseits der Erde nun auch aktuelle iPhones und Android-Geräte mitnehmen. Die neue Richtlinie trat noch vor dem Start einer SpaceX-Mission im Februar in Kraft. Die Besatzung von Artemis II gehört damit zu den ersten Regierungsastronauten überhaupt, die mit modernen Smartphones ins All reisen.

Vier Raumfahrer, vier Telefone

Zur Crew von Artemis II gehören die NASA-Astronauten Reid Wiseman, Christina Koch und Victor Glover sowie der Kanadier Jeremy Hansen. Ein NASA-Sprecher bestätigte dem USA TODAY Network, dass alle vier während ihres Flugs zum Mond Smartphones bei sich tragen.

Die Entscheidung ist Teil eines Kurswechsels bei der NASA. Behördenchef Jared Isaacman hatte vor rund zwei Monaten in sozialen Netzwerken angekündigt, NASA-Astronauten würden „bald mit den neuesten Smartphones fliegen“. Dahinter steckt auch der Versuch, eingefahrene Regeln darüber zu hinterfragen, welche Technik als sicher und geeignet für den Einsatz im All gilt.

Der praktische Nutzen liegt aus Sicht der Raumfahrtbehörde auf der Hand: Die Astronauten sollen ihre Umgebung einfacher dokumentieren, persönliche Momente festhalten und Bilder sowie Videos ihrer Mission schneller und unmittelbarer mit der Öffentlichkeit teilen können.

Die Geräte seien zuvor eigens zertifiziert worden, teilte die NASA mit. Ziel sei gewesen sicherzustellen, „dass die Geräte während des Flugs sicher verwendet werden können“.

Ein kleiner Schritt für die Technik – ein großer für die Raumfahrtkommunikation

Ganz neu ist mobile Unterhaltungselektronik im All nicht. Auch früher konnten Astronauten Bilder und Videos anfertigen – allerdings vor allem mit klassischer Ausrüstung wie:

  • DSLR-Kameras
  • digitalen Camcordern
  • Tablets

Das Material, das bislang aus dem Orbit veröffentlicht wurde, entstand nach NASA-Angaben überwiegend mit handelsüblicher, aber speziell zugelassener Fototechnik.

Neu ist nun vor allem, dass Smartphones selbst zum zugelassenen Werkzeug werden.

Damit verschiebt sich auch die Ästhetik der Raumfahrt ein Stück weit: weg von hochgerüsteter Dokumentation durch Spezialkameras, hin zu einer Form von Bildproduktion, die näher an der Alltagswirklichkeit der Menschen auf der Erde liegt. Das Weltall soll nicht mehr nur technisch präzise festgehalten werden, sondern auch unmittelbarer, persönlicher, vielleicht sogar intimer.

Oder, weniger pathetisch gesagt:
Die nächste ikonische Aufnahme aus der Mondnähe könnte aussehen, als wäre sie mit einem Gerät entstanden, das sonst in der Jackentasche steckt.

Crew-12 machte den Anfang

Die erste Mission, auf der NASA-Astronauten moderne Smartphones offiziell mitnehmen durften, war die gemeinsame NASA-SpaceX-Mission Crew-12.

Mit an Bord waren die NASA-Astronauten Jessica Meir und Jack Hathaway, die ESA-Astronautin Sophie Adenot sowie der russische Kosmonaut Andrey Fedyaev. Sie erreichten am 14. Februar die Internationale Raumstation, wo sie für einen rund neunmonatigen Aufenthalt vorgesehen sind.

Artemis II ist damit die zweite Mission unter den neuen Regeln – und zugleich die deutlich symbolträchtigere. Denn anders als bei einem Flug zur ISS geht es diesmal nicht in den erdnahen Orbit, sondern auf eine Reise um den Mond.

Rückkehr in die Mondnähe – erstmals seit Apollo

Die Artemis-II-Mission war am 1. April in Florida gestartet. Für Montag, den 6. April, ist der historische Vorbeiflug am Mond vorgesehen.

Es wäre die erste bemannte Annäherung an den Mond seit dem Ende des Apollo-Programms im Jahr 1972. Zwar wird Artemis II noch nicht landen, doch die Mission gilt als entscheidender Testflug für die Rückkehr von Menschen auf die Mondoberfläche – derzeit frühestens für 2028 geplant.

Die Besatzung wird dabei nicht nur die erste seit Jahrzehnten sein, die wieder in Mondnähe gelangt. Sie soll auch einen alten Distanzrekord übertreffen: Noch nie waren Menschen weiter von der Erde entfernt als die Crew von Apollo 13 im Jahr 1970. Genau diese Marke soll Artemis II nun brechen.

Historische Mission, neue Symbolik

Die Reise ist auch personell ein bewusst gesetztes Signal.

Mit Victor Glover wird erstmals ein Schwarzer Astronaut in die Nähe des Mondes fliegen. Christina Koch wird die erste Frau in dieser Position sein. Jeremy Hansen wiederum ist der erste Kanadier, dem diese Mission zufällt.

Damit verbindet Artemis II mehrere Erzählungen zugleich: die Rückkehr zum Mond, die Neuinszenierung amerikanischer Raumfahrt, die Öffnung für neue Repräsentation – und nun auch eine modernisierte technische Kultur an Bord.

Dass dazu ausgerechnet Smartphones gehören, mag zunächst nebensächlich wirken. Tatsächlich aber passt es gut in eine Raumfahrt, die sich zunehmend öffentlicher, zugänglicher und mediennäher inszeniert. Missionen sollen nicht mehr nur geflogen, sondern auch erzählt werden – möglichst in Bildern, die sofort zirkulieren können.

Die Mondmission als Content-Maschine

Genau darin liegt vielleicht der eigentliche Wandel. Raumfahrt war immer auch ein Projekt der Bilder: vom „Earthrise“-Foto der Apollo-Ära bis zu den Live-Aufnahmen aus der ISS. Nun aber verschiebt sich die Logik weiter in Richtung digitaler Gegenwart.

Die NASA formuliert es freundlich und funktional: Smartphones gäben der Crew mehr Flexibilität, um „informelle, organische Momente“ festzuhalten und die Geschichte ihrer Mission besser mit der Welt zu teilen.

Übersetzt heißt das auch:
Die Raumfahrtbehörde denkt längst nicht mehr nur in Technik, sondern auch in Reichweite.

Die Reise zum Mond ist nicht mehr nur ein Test für Kapseln, Systeme und Besatzungen. Sie ist auch ein globales Medienereignis – und das Smartphone das naheliegendste Instrument, um es in Echtzeit erzählbar zu machen.

Noch ein paar Tage bis zur Wasserung

Wenn alles nach Plan läuft, endet Artemis II am 10. April mit einer Wasserung im Pazifik vor der Küste von San Diego in Kalifornien.

Bis dahin dürfte die Crew ihre Reise ausführlich dokumentieren – diesmal nicht nur mit klassischer Raumfahrtkamera, sondern auch mit Geräten, die sonst Selfies, Chats und Alltagsfotos speichern.

Der Gedanke hat etwas Fast-Irritierendes:
Menschen fliegen weiter von der Erde weg als je zuvor – und nehmen dabei jene Technik mit, mit der auf der Erde normalerweise Essensbilder, Sprachnachrichten und Familiengruppen verwaltet werden.

Gerade deshalb erzählt diese kleine Neuerung viel über die Gegenwart der Raumfahrt:
Sie will wieder groß sein. Aber sie will dabei zugleich so nahbar wirken wie nie.

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