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Mexiko entdeckt plötzlich seine „Souveränität“ – und Kuba bleibt auf dem Trockenen sitzen

OpenClipart-Vectors (CC0), Pixabay
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Mexiko scheint eine bahnbrechende Erkenntnis gewonnen zu haben: Souveränität ist genau dann besonders praktisch, wenn der US-Präsident missbilligend die Stirn runzelt. Nachdem Donald Trump einmal tief durchgeatmet und in Richtung Süden geblickt hat, scheint Mexiko sich seiner „freien Entscheidungen“ wieder sehr bewusst zu sein – und kürzt kurzerhand die Öllieferungen an Kuba.

Präsidentin Claudia Sheinbaum, sonst nicht gerade für knappe Aussagen bekannt, zeigte sich auf Nachfrage zur Zukunft der Ölexporte erstaunlich eloquent: „Es ist eine souveräne Entscheidung, und sie wird in dem Moment getroffen, in dem es notwendig ist.“ Übersetzung: Wenn Washington „Hü“ sagt, sagen wir „Hü“, aber mit mexikanischem Akzent.

Öl? Vielleicht. Vielleicht auch nicht.

Ob die Ölhähne jemals wieder Richtung Havanna geöffnet werden? Sheinbaum ließ diese kleine Frage elegant im Nebel verschwinden. „Das wird mitgeteilt, wenn es soweit ist.“ Vermutlich per Flaschenpost – sparsam, stilvoll und ohne verbindliche Aussage.

Immerhin beruhigte sie die Öffentlichkeit: Der staatliche Ölkonzern Pemex entscheide „nach Verträgen oder humanitären Erwägungen“. Offenbar hängt die humanitäre Großzügigkeit dabei direkt vom aktuellen Pegelstand der US-Laune ab.

Trump dreht an der Weltkarte

US-Präsident Donald Trump hatte zuvor klargemacht, dass er keinen Tropfen Öl mehr von Venezuela nach Kuba sehen will – besonders nicht nach der kleinen Aktion am 3. Januar, als US-Spezialkräfte Venezuelas Präsident Nicolas Maduro verhafteten. Details? Egal. Ergebnis: Venezuela liefert seit einem Monat keine einzige Tonne Öl mehr an die sozialistische Nachbarinsel.

Und Mexiko? Rutschte prompt in die Rolle des Öl-Nothelfers – bis jemand in Washington offenbar „Buh“ rief. Und siehe da: Mexiko macht mit und setzt den Export aus. Zwar nicht offiziell. Aber das muss man ja auch nicht, solange man es souverän nennt.

Kuba darf warten – und frieren

Dabei war Mexiko zuletzt ein verlässlicher Lieferant: Allein in den ersten neun Monaten des Jahres 2025 gingen täglich rund 19.200 Barrel Rohöl und Ölprodukte von Pemex gen Kuba. Doch jetzt heißt es für Havanna: bitte selbst schauen, wo der Diesel bleibt. Vielleicht hilft ein Windrad. Oder ein besonders gut gelaunter Golfstrom.

Fazit: Mexikanische Souveränität – powered by Washington

Ob Mexiko wirklich unabhängig handelt oder nur versucht, keinen Tweet von Trump mit Großbuchstaben und fünf Ausrufezeichen zu provozieren, bleibt offen. Sicher ist nur: Wenn Politik zur Thermometerlesung in Trump Tower wird, friert man schnell in Havanna.

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