Angesichts der Friedensgespräche zwischen Russland und der Ukraine in Istanbul hat der deutsche Bundeskanzler Friedrich Merz scharfe Kritik an Russlands Präsident Wladimir Putin geübt. Merz verurteilte Putins Entscheidung, nicht persönlich an den Verhandlungen teilzunehmen, und kündigte als Reaktion ein neues Sanktionspaket gegen Moskau an.
Putins Abwesenheit als Fehlentscheidung
Die Friedensgespräche in der Türkei stellen das erste direkte Aufeinandertreffen russischer und ukrainischer Delegationen seit Beginn des Krieges im Februar 2022 dar. Dennoch blieb Putin den Gesprächen fern und schickte stattdessen eine rangniedrige Delegation unter der Leitung seines Beraters Wladimir Medinski.
Merz zeigte sich enttäuscht über Putins Fernbleiben und würdigte gleichzeitig den Mut des ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj, der trotz der schwierigen Lage nach Istanbul gereist war. „Die Tatsache, dass Präsident Selenskyj trotz allem nach Istanbul gereist ist, ist ein enormes Zeichen. Putin hingegen hat sich falsch entschieden“, schrieb Merz auf der Plattform X.
Der Kanzler kündigte an, die neuen Sanktionen gegen Russland bereits am kommenden Dienstag in Brüssel zu verabschieden. Auch andere europäische Spitzenpolitiker äußerten ihr Unverständnis über Putins Entscheidung. Der britische Premierminister Keir Starmer erklärte während seines Besuchs in Albanien: „Russland stellt sich damit bewusst gegen den Frieden.“
Trump will Treffen mit Putin vorbereiten
Während Europa mit neuen Sanktionen auf Putins Abwesenheit reagiert, kündigte US-Präsident Donald Trump an, so bald wie möglich ein persönliches Treffen mit Putin zu arrangieren. Auf einer Veranstaltung in Abu Dhabi sagte Trump, dass ein Treffen mit dem russischen Präsidenten notwendig sei, um den Konflikt zu lösen.
„Nichts wird passieren, bis Putin und ich uns zusammensetzen“, betonte Trump. Er betonte, dass die Gespräche zwischen Russland und der Ukraine ohne seine eigene Präsenz wenig Erfolgsaussichten hätten. Auch US-Außenminister Marco Rubio zeigte sich skeptisch und erklärte, dass ein Durchbruch erst mit einem Treffen zwischen Trump und Putin möglich sei.
Ukraine wirft Russland Angriffe vor
Während die Friedensgespräche anliefen, beschuldigte die Ukraine Russland, weiterhin militärische Angriffe durchzuführen. In der Nacht vor den Verhandlungen kam es zu neuen Angriffen auf ukrainisches Gebiet, bei denen mindestens zwei Zivilisten ums Leben kamen und elf weitere verletzt wurden.
Die erneuten Angriffe verdeutlichen die Spannungen und das Misstrauen auf beiden Seiten. Die ukrainische Delegation unter der Leitung von Verteidigungsminister Rustem Umerow forderte vor allem einen sofortigen und bedingungslosen Waffenstillstand sowie die Rückführung verschleppter Kinder.
Fazit: Friedensgespräche ohne die entscheidenden Akteure
Die Abwesenheit von Putin und Selenskyj wirft einen Schatten auf die Gespräche in Istanbul. Während die Türkei bemüht ist, als Vermittler aufzutreten, scheint die Skepsis über einen erfolgreichen Ausgang des Treffens zu überwiegen. Europas Druck auf Moskau steigt, doch ohne direkte Gespräche zwischen den Präsidenten bleibt die Hoffnung auf einen echten Durchbruch gering.
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