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Meine Therapiemitschriften wurden gehackt – und jetzt kennt das Internet meine tiefsten Geheimnisse

Sunriseforever (CC0), Pixabay
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Es begann mit einer E-Mail im Spam-Ordner – doch was dort stand, war alles andere als gewöhnlich. Sie enthielt den vollständigen Namen der Betroffenen, ihre Sozialversicherungsnummer und intime Informationen, die nur einem Therapeuten bekannt sein sollten. Der Absender behauptete, in die Datenbank eines finnischen Psychotherapieanbieters eingedrungen zu sein – und forderte Lösegeld in Bitcoin.

Falls nicht gezahlt werde, hieß es, würden Name, Adresse, Telefonnummer und wörtliche Mitschriften der Therapiesitzungen veröffentlicht. Für über 33.000 Menschen wurde dieser Albtraum im Oktober 2020 Realität. Die gestohlenen Daten enthielten persönliche Geständnisse über Depressionen, Suizidversuche, Missbrauch und Affären – das Innerste, preisgegeben im Vertrauen auf absolute Vertraulichkeit.

Die Veröffentlichung auf dem Darknet begann in Raten – jeweils 100 Patientendossiers pro Tag – um Druck auf die Firma auszuüben. Viele der Betroffenen sahen sich gezwungen, nach ihren eigenen Akten zu suchen. Einige wurden fündig – und mit ihnen die Öffentlichkeit: fremde Menschen lachten über die Einträge eines 10-jährigen Kindes in Therapie.

Die psychischen Folgen für viele waren gravierend. Betroffene trauten sich nicht mehr aus dem Haus, vermuteten hinter jedem Blick Misstrauen oder Spott. Mehr als 21.000 meldeten sich als Nebenkläger im größten Strafprozess der finnischen Geschichte.

Nach zwei Jahren Ermittlungen wurde ein Verdächtiger benannt, später in Frankreich verhaftet und in Finnland zu über sechs Jahren Haft verurteilt. Die Therapieunterlagen aber sind weiterhin im Umlauf – auf Knopfdruck abrufbar über eigens eingerichtete Suchmaschinen im Darknet.

Viele verloren ihr Vertrauen in psychologische Hilfe. Manche beendeten ihre Therapie – dauerhaft. Einige überlebten das Bekanntwerden ihrer Daten nicht.

Eine der Betroffenen entschied sich, offen über das Geschehene zu sprechen – öffentlich, mit Familie und sogar in einem Buch. Ihre Erkenntnis: Die Daten mögen öffentlich sein – aber die Kontrolle über die eigene Geschichte, die kann man sich zurückholen.

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