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Mehr Vertrauen nach Brüssel als nach Riga: Warum Letten der EU stärker glauben als ihrer eigenen Politik

Ralphs_Fotos (CC0), Pixabay
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Während das Vertrauen in politische Institutionen europaweit unter Druck steht, zeigt sich in Lettland ein bemerkenswertes Bild: Die Europäische Union genießt dort deutlich mehr Rückhalt als die nationale Politik. Das geht aus dem aktuellen Standard-Eurobarometer 104 hervor, das im Herbst 2025 durchgeführt wurde.

EU-Vertrauen deutlich über dem Durchschnitt

EU-weit vertrauen 48 Prozent der Bürgerinnen und Bürger der Europäischen Union, während nur 33 Prozent Vertrauen in ihre jeweilige nationale Regierung haben. In Lettland fällt diese Diskrepanz noch größer aus. Dort geben 55 Prozent der Befragten an, der EU zu vertrauen, aber lediglich 31 Prozent ihrer eigenen Regierung. Damit liegt Lettland nicht nur über dem EU-Durchschnitt beim EU-Vertrauen, sondern auch deutlich unter diesem beim Vertrauen in nationale Institutionen.

Das Muster ist typisch für den baltischen Raum. Auch in Estland (52 Prozent EU-Vertrauen, 36 Prozent Vertrauen in die nationale Politik) und Litauen (66 Prozent EU-Vertrauen, 34 Prozent Vertrauen in die Regierung) überwiegt die positive Haltung gegenüber der EU klar.

Baltikum sieht klare Vorteile der EU-Mitgliedschaft

Besonders ausgeprägt ist im Baltikum die Überzeugung, von der EU-Mitgliedschaft zu profitieren. EU-weit teilen diese Ansicht 74 Prozent der Bürger – einer der höchsten Werte seit mehr als zehn Jahren. In Litauen liegt dieser Wert sogar bei 92 Prozent, in Estland bei 82 Prozent. Lettland bleibt mit 69 Prozent zwar leicht darunter, liegt aber weiterhin klar im positiven Bereich.

Die EU wird in der Region nicht als ferne Bürokratie wahrgenommen, sondern als stabiler politischer und wirtschaftlicher Rahmen. Gerade angesichts geopolitischer Spannungen, sicherheitspolitischer Risiken und wirtschaftlicher Unsicherheiten gilt die europäische Ebene vielen als verlässlicher als nationale Entscheidungsträger.

Optimismus über die Zukunft der EU

Auch der Blick nach vorn fällt im Baltikum vergleichsweise positiv aus. EU-weit äußern sich 59 Prozent der Bürger optimistisch zur Zukunft der Union. In Lettland liegt dieser Wert bei 65 Prozent, in Estland bei 59 Prozent und in Litauen sogar bei 71 Prozent. Damit unterscheiden sich die baltischen Staaten deutlich von Ländern wie Frankreich oder Griechenland, wo der Optimismus unter 45 Prozent liegt.

Skepsis gegenüber nationaler Politik, Vertrauen in europäische Stabilität

Die Umfrage zeigt für Lettland ein klares gesellschaftliches Muster: Skepsis gegenüber nationalen Eliten geht Hand in Hand mit einem starken Vertrauen in die EU. Viele Letten verbinden mit der Europäischen Union vor allem Stabilität, Berechenbarkeit und langfristige Perspektiven – insbesondere in wirtschaftlicher und sicherheitspolitischer Hinsicht.

Die innenpolitischen Sorgen der Bevölkerung konzentrieren sich vor allem auf Lebenshaltungskosten, wirtschaftliche Entwicklung und soziale Sicherheit. Gleichzeitig wird von der EU erwartet, einen stabilisierenden Rahmen zu bieten, der Frieden, wirtschaftliche Nachhaltigkeit und politische Verlässlichkeit gewährleistet.

Fazit

Das Eurobarometer macht deutlich: In Lettland – wie im gesamten Baltikum – ist die EU ein zentraler Vertrauensanker. Während nationale Politik oft kritisch gesehen wird, gilt die Europäische Union vielen Bürgerinnen und Bürgern als stabilere und glaubwürdigere Ebene der Entscheidungsfindung. Dieses Vertrauensgefälle ist nicht nur Ausdruck politischer Unzufriedenheit im Inland, sondern auch ein Hinweis darauf, welche Rolle die EU künftig in der Wahrnehmung ihrer Mitgliedstaaten spielen könnte.

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