Tabak teurer, Alkohol teurer, Zucker auch gleich mit besteuern – und obendrauf sollen Patienten künftig tiefer in die eigene Tasche greifen. So lässt sich ein Teil der Vorschläge zusammenfassen, die eine Expertenkommission jetzt zur Rettung des deutschen Gesundheitssystems präsentiert hat.
Auf 483 Seiten haben zehn Fachleute im Auftrag der Bundesregierung Maßnahmen zusammengestellt, mit denen ein drohendes Milliardenloch gestopft werden soll. Denn die gesetzliche Krankenversicherung steuert auf massive Finanzprobleme zu: Schon 2027 fehlen rund 15 Milliarden Euro, bis 2030 könnten es jährlich bis zu 40 Milliarden werden.
Die Liste der Ideen ist lang – insgesamt 66 Vorschläge. Darunter: höhere Steuern auf Tabak und Alkohol, eine Abgabe auf zuckerhaltige Getränke, steigende Zuzahlungen für Patienten sowie das Streichen bestimmter Leistungen, etwa für alternative Heilmethoden oder weniger wirksame Anwendungen.
Kurz gesagt: Der Bürger soll zahlen, der Patient soll verzichten.
Doch bei all den Vorschlägen drängt sich eine Frage auf: Wo bleibt eigentlich die Debatte über die Strukturen des Systems selbst? Deutschland leistet sich ein komplexes Netz aus gesetzlichen Krankenkassen – mit Verwaltung, Marketing, Parallelstrukturen.
Warum ist in den Vorschlägen kaum die Rede davon, die Zahl der Krankenkassen zu reduzieren? Müssten nicht auch dort Einsparpotenziale liegen?
Denn während Versicherte und Beitragszahler stärker belastet werden sollen, bleibt ein zentraler Punkt auffällig blass: die Frage, ob und wie die Kassen selbst effizienter werden können.
So entsteht der Eindruck, dass vor allem an einer Stelle angesetzt wird – beim Geld der Bürger. Ob das reicht, um ein strukturell teures und zugleich vergleichsweise ineffizientes System wirklich zu reformieren, bleibt offen.
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