In Sachsen-Anhalt ist erstmals ein Patient mit einem vollständigen Kunstherz versorgt worden. Die Universitätsklinik Magdeburg teilte mit, dass der Eingriff vor kurzem erfolgreich bei einem 56-jährigen Mann durchgeführt wurde. Der Patient befinde sich nach Angaben der Ärzte in stabilem Zustand.
Sechs Stunden Operation
Der komplizierte Eingriff dauerte insgesamt rund sechs Stunden. Beteiligt war ein interdisziplinäres Team aus vier Herzchirurgen, zwei Anästhesisten, zwei Kardiotechnikern sowie weiteren OP-Mitarbeitern. Der Direktor der Klinik für Herz- und Thoraxchirurgie, Prof. Dr. Jens Wippermann, bezeichnete die Operation als „Meilenstein für die Patientenversorgung in der Region“.
Herz aus Carbon – hergestellt in den USA
Das implantierte Kunstherz stammt aus den USA und ersetzt das gesamte natürliche Organ. Es ist mit vier Herzklappen aus Carbon ausgestattet – einem besonders leichten, aber stabilen Kunststoff, der mit Kohlenstofffasern verstärkt ist. Anders als frühere Systeme, die nur Teile der Herzfunktion unterstützen, übernimmt dieses Kunstorgan sämtliche Aufgaben des Herzens.
Funktionsweise über Kompressor
Damit das Herz arbeiten kann, wird es durch einen externen Kompressor angetrieben. Dieser versorgt das Organ über zwei Schläuche rund um die Uhr mit der nötigen Energie. Für die Betroffenen bedeutet dies, dass sie dauerhaft auf diese Technik angewiesen sind, um ihr künstliches Herz in Betrieb zu halten.
Seltene Behandlung in Deutschland
Die Universitätsmedizin Magdeburg betont, dass es sich um eine Besonderheit handelt: In ganz Deutschland leben derzeit lediglich rund 20 Menschen mit einem vollständig implantierten Kunstherz. Zuvor wurden in Magdeburg zwar bereits Kunstherzen eingesetzt, jedoch keine, die das komplette Organ ersetzen.
Kosten von 85.000 Euro
Die Kosten für das neuartige Implantat belaufen sich auf 85.000 Euro. Trotz des hohen Aufwands bietet das Kunstherz für schwerstkranke Patienten eine lebensrettende Alternative, wenn keine Transplantation möglich ist.
Perspektive für die Zukunft
Mit dem erfolgreichen Eingriff reiht sich die Magdeburger Uniklinik in eine kleine Gruppe spezialisierter Zentren ein, die solche Hochrisikooperationen durchführen können. Für Patienten mit schwerem Herzversagen könnte die Technologie künftig neue Chancen eröffnen – auch wenn sie weiterhin mit großen medizinischen und technischen Herausforderungen verbunden bleibt.
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