Washington – Kurz bevor Robert F. Kennedy Jr. im vergangenen Jahr als Gesundheitsminister (HHS Secretary) vereidigt wurde, würdigte Präsident Donald Trump die Rolle seines einstigen politischen Rivalen bei seinem Wahlsieg. „Er war ein sehr harter Konkurrent. Das hat mir überhaupt nicht gefallen. Also sagte ich: Holen wir ihn auf meine Seite“, erklärte Trump.
Kennedy hatte im April 2023 zunächst versucht, den damaligen Präsidenten Joe Biden in der demokratischen Vorwahl herauszufordern. Einige Monate später kandidierte er als unabhängiger Präsidentschaftsbewerber, bevor er seine Kampagne schließlich beendete und Trump unterstützte. Laut Trump habe Kennedy eine parteiübergreifende Koalition von Wählern zusammengebracht, deren Unterstützung letztlich auch ihm zugutegekommen sei.
Doch mehr als ein Jahr nach Beginn ihrer Zusammenarbeit zeigen sich Risse in dieser Allianz – und das ausgerechnet kurz vor den wichtigen Zwischenwahlen (Midterms).
Streitpunkt Glyphosat
Besonders kritisch sehen viele Unterstützer der sogenannten „Make America Healthy Again“ (MAHA)-Bewegung eine neue Entscheidung der Regierung. Trump unterzeichnete im Februar eine Executive Order, die die inländische Produktion von Glyphosat und elementarem Phosphor steigern soll. Die Regierung begründete den Schritt mit nationaler Sicherheit und der Sicherstellung landwirtschaftlicher Produktion.
Glyphosat ist ein weit verbreitetes Unkrautvernichtungsmittel und Hauptbestandteil des Produkts Roundup. Die Internationale Agentur für Krebsforschung stuft die Substanz als „wahrscheinlich krebserregend“ ein. Kritiker befürchten deshalb gesundheitliche Risiken.
Die Entscheidung sorgt vor allem unter den sogenannten „MAHA Moms“ – einem wichtigen Teil der Bewegung – für großen Unmut. Diese Gruppe setzt sich vor allem aus Müttern zusammen, die sich für gesündere Lebensmittel, weniger Chemikalien in der Landwirtschaft und eine kritischere Haltung gegenüber Impfungen einsetzen.
Del Bigtree, ein führender Vertreter der Bewegung, warnte, die Entscheidung könne Trump politisch schaden. „Ich denke, Präsident Trump macht einen großen Fehler“, sagte er. Viele MAHA-Anhängerinnen fühlten sich „verraten“, was sich bei den Zwischenwahlen negativ für die Republikaner auswirken könne.
Enttäuschte Unterstützerinnen
Auch Michaela Bardossas aus Asheville in North Carolina, eine Unterstützerin der Bewegung, äußerte deutliche Kritik. Sie hatte ursprünglich Kennedy unterstützen wollen und wechselte erst zu den Republikanern, nachdem dieser seine Kandidatur aufgab und Trump unterstützte.
Die neue Glyphosat-Politik empfindet sie als „Schlag ins Gesicht“. Ihrer Ansicht nach unterschätze Trump, welchen Anteil die MAHA-Bewegung an seinem Wahlsieg hatte. Viele Unterstützerinnen seien nun weniger motiviert, bei den Zwischenwahlen für Republikaner zu stimmen.
Bayer und der Rechtsstreit um Roundup
Ein weiterer Aspekt des Konflikts betrifft den Chemiekonzern Bayer, der seit der Übernahme von Monsanto der einzige Hersteller von Glyphosat-basierten Herbiziden in den USA ist. Das Unternehmen steht seit Jahren wegen möglicher Krebsrisiken durch Roundup unter juristischem Druck.
Ende April will sich der Oberste Gerichtshof der USA mit einem wichtigen Fall beschäftigen. Bayer argumentiert, dass das Unternehmen nicht nach einzelstaatlichem Recht haftbar gemacht werden könne, wenn die US-Umweltbehörde (EPA) keinen Krebswarnhinweis auf dem Produkt verlangt.
Kritiker vermuten, dass die Executive Order der Regierung auch ein politisches Signal an das Gericht senden könnte. Vertreter der Organisation Moms Across America erklärten, viele Mitglieder seien „extrem beunruhigt“ über die Entscheidung.
Politische Folgen möglich
Umfragen zeigen, dass eine Gruppe von Wählern – von Strategen als „MAHA Rentals“ bezeichnet – bei den kommenden Wahlen möglicherweise zu Hause bleiben könnte, falls Republikaner keine stärkere gesundheitsorientierte Politik verfolgen.
Einige Aktivisten sehen deshalb den Umgang mit Glyphosat als entscheidend für die politische Zukunft der Bewegung. Die Lebensmittelaktivistin Vani Hari kündigte sogar eine große Protestkundgebung am Tag der Anhörung vor dem Supreme Court an.
„Was beim Thema Glyphosat passiert, wird darüber entscheiden, was bei den Zwischenwahlen 2026 passiert“, sagte sie.
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