Dass es im Trump-Lager einmal Streit geben würde, war absehbar. Dass ausgerechnet ein Krieg dafür sorgt, wirkt dann doch wie eine Pointe, die selbst Satiriker nicht besser hätten schreiben können.
Erst zerlegen sich prominente MAGA-Stimmen öffentlich, dann tritt auch noch der Anti-Terror-Chef zurück – aus Gewissensgründen. Joseph Kent, bisher eher für seine Nähe zu Verschwörungstheorien bekannt, erklärt plötzlich, er könne den Iran-Krieg nicht unterstützen. Ausgerechnet er entdeckt also Skrupel. Man lernt nie aus.
„Keine Bedrohung“ – aber ein Krieg passt trotzdem
Kent begründet seinen Rücktritt damit, dass Iran „keine unmittelbare Bedrohung“ dargestellt habe. Eine bemerkenswerte Erkenntnis – insbesondere, wenn man bedenkt, dass genau solche Einschätzungen üblicherweise vor Kriegsbeginn geklärt werden. Aber besser spät als nie.
Zusätzlich liefert er noch die These nach, der Krieg sei auf Druck Israels und dessen Lobby entstanden. Der Vorwurf bringt ihm prompt Antisemitismus-Kritik ein. Trump hingegen findet: alles halb so wild, der Abgang sei „eine gute Sache“. Problem gelöst – Personal weg, Debatte erledigt.
Anti-Kriegsfraktion entdeckt ihre Stimme
Währenddessen melden sich immer mehr Stimmen aus dem konservativen Lager, die feststellen, dass „America First“ und ein neuer Krieg im Nahen Osten nicht ganz deckungsgleich sind. Überraschung.
Tucker Carlson nennt den Krieg „absolut ekelhaft und böse“, Joe Rogan findet ihn „einfach nur irre“, und andere fragen sich, wie genau aus dem Versprechen „keine neuen Kriege“ ein weiterer geworden ist. Die Antwort bleibt diffus, aber die Empörung ist immerhin parteiübergreifend anschlussfähig.
Interne Debatten mit gewohntem Niveau
Die inhaltliche Auseinandersetzung verläuft erwartungsgemäß subtil: Kommentatoren beschimpfen sich gegenseitig, werden als „instabil“ oder „Wrack“ bezeichnet – und erhalten dafür Applaus vom Präsidenten. Politische Kultur, MAGA-Edition.
Trump selbst greift ordnend ein und stellt klar: „Sie sind nicht MAGA, ich bin es.“ Eine Definition, die den Vorteil hat, jederzeit flexibel anpassbar zu sein.
Auch intern leichte Irritationen
Sogar aus der eigenen Regierung sind leise Zweifel zu hören. Vizepräsident JD Vance soll vom Krieg „weniger begeistert“ gewesen sein – eine Formulierung, die im politischen Washington bereits als vorsichtige Rebellion gilt.
Einige republikanische Abgeordnete wagen ebenfalls vorsichtige Kritik und äußern den Wunsch, den Krieg irgendwann vielleicht wieder zu beenden. Keine revolutionäre Idee, aber ein Anfang.
Basis bleibt loyal – vorerst
An der Basis hält die Unterstützung bislang. Zustimmungswerte von bis zu 90 Prozent zeigen: Solange der Konflikt abstrakt bleibt, ist er politisch tragbar. Die entscheidende Frage ist, was passiert, wenn Kosten, Dauer und Realität des Krieges spürbarer werden.
Denn viele Wähler hatten sich 2024 für alles Mögliche entschieden – nur nicht unbedingt für einen weiteren Militäreinsatz im Nahen Osten.
Oder anders gesagt: „America First“ klingt deutlich besser, solange es nicht nach „Middle East again“ aussieht.
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