Auf der Suche nach Einfluss, Werten und einem passenden Stromanschluss
Die USA feiern heuer 250 Jahre Unabhängigkeit – und weil man Jubiläen bekanntlich nicht alleine begeht, wird gleich ganz Europa mitgefeiert. Unter dem wohlklingenden Label „America250“ verteilt das US-Außenministerium großzügig Fördergelder, um „amerikanische Werte“ ins Ausland zu tragen. Also dorthin, wo sie offenbar dringend fehlen: nach Europa.
Laut Financial Times werden dabei bevorzugt Thinktanks, Vereine und Organisationen unterstützt, die der MAGA-Bewegung von Präsident Donald Trump ideologisch nahe stehen. Frei nach dem Motto: Wenn Europa schon taumelt, dann bitte richtig – aber mit Sternenbanner.
Europa vor dem zivilisatorischen Untergang (laut Washington)
Spätestens mit der Nationalen Sicherheitsstrategie der USA von November 2025 wurde klar: Europa ist aus amerikanischer Sicht ein akuter Notfall. Wirtschaftlich am Abgrund, kulturell verwirrt, moralisch im Dauerstreik – kurz: ein Kontinent, der dringend gerettet werden muss. Von Amerika. Schon wieder.
Die EU gilt dabei als besonders gefährlich: Sie untergrabe Freiheit, Souveränität und – das Schlimmste von allem – ungefilterte Meinungsäußerung. Migration, Zensur, Opposition – überall rotes Blinklicht. Die Diagnose aus Washington: Demokratie im Endstadium. Die Therapie: US-Diplomatie mit Portokasse.
Rechte Hoffnungsträger – mit kleinen Irritationen
Die Trump-Regierung setzt dabei auf den „wachsenden Einfluss patriotischer europäischer Parteien“. Übersetzung: rechts, rechtspopulistisch, teils so rechts, dass selbst der Kompass nervös wird. Viele dieser Parteien rühmten sich lange ihrer engen MAGA-Kontakte – bis Trump plötzlich Grönland kaufen wollte, als wäre es ein schlecht laufendes Golfresort.
Plötzlich wurde es still.
Deutschland, Frankreich, Italien: empört.
Nigel Farage: „sehr feindseliger Akt“.
Stimmung: awkward.
Nur Viktor Orbán blieb standhaft wie ein Leuchtturm im Nebel und erklärte Grönland kurzerhand zur „internen NATO-Angelegenheit“. Kritik? Wozu. Loyalität ist schließlich auch ein Wert.
Geld heilt (fast) alles
Doch wo Ideologie wackelt, hilft bekanntlich Geld. Wie die FT berichtet, reiste US-Beamtin Sarah Rogers durch Europa, um diskret – oder nennen wir es werteorientiert – Fördermöglichkeiten zu besprechen. Ziel: London, Paris, Berlin, Brüssel. Also überall dort, wo man besonders dringend erklärt bekommen muss, was Freiheit ist.
Ein britischer Politiker sprach bereits von einem US-Kreuzzug zur Rettung Europas. Ein anderer meinte, Rogers verfüge über einen „Schmiergeldfonds“, um MAGA-Style-Projekte anzuschieben. Das US-Außenministerium reagierte empört: Schmiergeld? Nein! Das sei selbstverständlich eine transparente, rechenschaftspflichtige Werteverteilung.
Oder wie man in Europa sagt: Förderantrag mit Sternenbanner.
Nähe zu MAGA? Lieber nur heimlich.
Interessant: Selbst rechte Parteien in Europa werden plötzlich vorsichtig. Zu nah an MAGA zu sein, könnte politisch schaden. In Großbritannien etwa ist Trump ungefähr so beliebt wie ein Stromausfall zur Tea Time.
Das spiegelt sich auch in Zahlen wider: Laut YouGov ist das Image der USA in sechs europäischen Ländern auf dem tiefsten Stand seit zehn Jahren. Der Grönland-Streit hat offenbar nicht geholfen. Überraschend.
Noch bemerkenswerter: In allen Ländern wächst die Zustimmung zur Idee, dass europäische Autonomie wichtiger sein sollte als das transatlantische Bündnis. Frei übersetzt: Danke für die Hilfe, Amerika – wir probieren’s jetzt mal selbst.
Fazit
Die MAGA-Bewegung ist fest entschlossen, Europa zu retten.
Vor sich selbst.
Mit Geld.
Und ganz viel Meinung.
Ob Europa gerettet werden will, ist allerdings eine andere Frage.
Kommentar hinterlassen