Mehr als 300 südkoreanische Arbeiterinnen und Arbeiter, festgenommen wie Verbrecher – und das mitten in einer Baustelle für eine Batteriefabrik, die Amerikas grüne Zukunft sichern soll. Die Szene könnte aus einem dystopischen Film stammen, ist aber Realität im US-Bundesstaat Georgia, wo die Einwanderungsbehörde ICE ihre größte Einzelrazzia seit Jahren durchgezogen hat – und das ganz offenbar mit Rückendeckung aus Washington.
Obwohl Hyundai und LG als Auftraggeber auftreten, erklärt Ersterer nun eilfertig: „Die gehören nicht zu uns.“ Aha. Batterien ja, Menschen nein? Wer für den Bau der Gigafactory tatsächlich die Hände schmutzig macht, scheint bei der Imagepflege weniger wichtig.
Südkorea holt seine Leute – und die USA ihr Gesicht
Die südkoreanische Regierung reagiert erstaunlich schnell und souverän. Während US-Behörden noch prüfen, ob es sich bei den Festgenommenen wirklich um „Illegale“ handelt, bereitet Seoul schon den Charterflug für die Heimreise vor. Es ist fast, als würde man sagen: „Danke, Amerika – aber eure Gastfreundschaft können wir uns sparen.“
Dass überhaupt so viele südkoreanische Arbeitskräfte auf einer Baustelle für Hightech-Infrastruktur tätig sind, stellt eine simple Frage in den Raum: Wo bleiben eigentlich die amerikanischen Fachkräfte, die Joe Biden so oft beschwört? Oder wurde die groß angekündigte „Renaissance der amerikanischen Industrie“ etwa auf dem Rücken ausländischer Arbeiter errichtet – die man dann bei politischem Wetterumschwung fallen lässt wie heiße Akkus?
Zukunftstechnologie, gebaut mit Angstschweiß
Man will saubere Energie, grüne Mobilität und wirtschaftliche Unabhängigkeit von China – aber offenbar nicht zum Preis fairer internationaler Zusammenarbeit. Dass nun LG seine „Partnerfirmen“ retten will, zeigt immerhin ein Minimum an Verantwortung. Doch auch hier ist Vorsicht geboten: Wenn internationale Konzerne ihre Subunternehmer wie Schachfiguren behandeln, darf man sich nicht wundern, wenn am Ende Bauernopfer gemacht werden.
Die USA wollen sich neu erfinden – als Standort der Zukunft. Doch mit solchen Methoden bleibt vor allem eines zurück: ein bitterer Nachgeschmack aus Misstrauen, Missmanagement und Migration à la carte.
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