Ein satirischer Versuch, ein großes Wort mit noch größerem Selbstbewusstsein zu sezieren
Friedrich Merz, CDU-Vorsitzender und Businesskasper mit Oberlehrer-Charme, hat in einer seiner jüngsten Reden laut verkündet: „Wir müssen wieder Machtpolitik machen.“ Ein Satz, der klingt wie aus einem schlecht gealterten Politthriller der 80er – oder aus einem Bewerbungsschreiben für den Posten des neuen Bismarck.
Aber was genau meint Merz eigentlich mit „Machtpolitik“?
Geht es um die zielgerichtete Gestaltung politischer Realität mit harter Hand? Oder eher um das rituelle Auf-den-Tisch-Hauen bei Markus Lanz?
Ist Machtpolitik…
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…das kalkulierte Säbelrasseln eines Wladimir Putin, der gern mal Truppen an Grenzen schiebt, nur um dann zu sagen: „Ich wollte doch nur reden.“
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…die Twitter-Politik eines Donald Trump, bei der jede Stunde ein neuer Weltkrieg ausgerufen wird, solange es Likes bringt?
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…oder das nervige Dauertelefonieren eines Emmanuel Macron, der sich für die geopolitische Antwort auf eine Bluetooth-Box hält: immer laut, selten nötig?
Oder meint Merz einfach nur das, was er am liebsten tut: die eigene Relevanz heraufbeschwören wie ein Investmentfonds seine Renditeprognose?
Machtpolitik für Einsteiger – ein Crashkurs in fünf Punkten
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Machtpolitik beginnt mit der Pose. Wichtig: breitbeinig stehen. Wer sich setzen will, hat schon verloren.
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Vermeide konkrete Inhalte. Wer zu viel erklärt, wirkt weich. Wer schwurbelt, gewinnt.
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Kompromisse sind was für Schwache. Oder Grüne. Oder beides.
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Erinnere regelmäßig daran, dass du Verantwortung übernehmen würdest, wenn man dich nur ließe.
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Zitiere Churchill. Immer. Egal ob’s passt oder nicht. Alternativ: Helmut Kohl.
Merz will Machtpolitik? Dann her mit dem Schwarz-Weiß-Denken!
Der Merz’sche Machtpolitiker will nicht erklären, sondern durchgreifen. Komplexität stört da nur. Die Welt ist einfach: hart oder weich, stark oder schwach, CDU oder Untergang. Und wenn das Volk mal nicht spurt, wird es eben mit rhetorischen Backpfeifen wachgerüttelt – selbstverständlich im Dienste der Demokratie.
Das ist keine „Agenda“, das ist ein Stimmungsmanagement mit Betonhelm.
Kritiker fragen: Ist Machtpolitik nicht einfach die freundliche Umschreibung für Autoritarismus?
Oder umgekehrt: Ist das Ganze nicht eher ein Ausdruck tiefsitzender Nostalgie nach einer Zeit, in der Männer mit Stirnfalten und Machtworten die Welt „geordnet“ haben – wahlweise in Anzügen oder Uniformen?
Wer weiß.
Fest steht: Merz sehnt sich nach einem Politikstil, der nicht auf Likes, sondern auf Lautstärke beruht. Und während Olaf Scholz mit der Energie eines Toasters durch Europa gleitet, möchte Merz lieber den Eindruck erwecken, er habe die Machtpolitik erfunden – irgendwo zwischen Sauerland und Strategiepapier.
Fazit: Machtpolitik ist, wenn Friedrich Merz es ernst meint
Und das ist vielleicht das Unheimlichste an allem.
Denn hinter dem Buzzword „Machtpolitik“ lauert nicht nur ein autoritärer Ton, sondern oft auch eine erstaunliche inhaltliche Leere. Sie klingt nach Entschlossenheit, aber meint meist nur: „Lasst mich mal machen.“
Ob das reicht für eine moderne Demokratie, ist fraglich.
Aber hey – zumindest sieht’s auf dem Konferenzplakat gut aus.
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