In den exklusiven Vierteln von Mayfair in London und Monaco war Ekaterina Barrett lange eine bekannte Erscheinung. Die damals 69-jährige Frau bewegte sich scheinbar selbstverständlich in der Welt der Reichen: Designer-Kleidung, luxuriöse Wohnungen, Glücksspiel in privaten Casinos und Spaziergänge mit ihren italienischen Windhunden gehörten zu ihrem Alltag.
Doch hinter der schillernden Fassade steht eine Reihe schwerer Vorwürfe. Mehrere ehemalige Freunde und Geschäftspartner beschuldigen Barrett, sie um Millionen betrogen zu haben. Eine der Hauptbetroffenen ist die Londoner Unternehmerin Bridget Hutchcroft.
Eine Bekanntschaft mit teuren Folgen
Hutchcroft betreibt seit Jahrzehnten ein Second-Hand-Geschäft für Designerbekleidung im Londoner Stadtteil Knightsbridge. Dort lernte sie Barrett im Jahr 2017 kennen. Zunächst war die Russin nur eine gelegentliche Kundin.
Die Beziehung begann harmlos – mit einer kleinen Gefälligkeit. Barrett bat Hutchcroft, kurz auf ihre Hunde aufzupassen, während sie einkaufen ging. Daraus entwickelte sich schnell eine engere Bekanntschaft. Hutchcroft besuchte Barrett regelmäßig in deren Wohnung in Mayfair und kümmerte sich um die Tiere.
Doch wenige Monate später änderte sich die Situation drastisch.
Immer neue Geldforderungen
Nach Angaben von Hutchcroft erzählte Barrett eines Tages unter Tränen, der Mann, der ihre Geschäfte verwaltete, sei plötzlich gestorben. Sie brauche deshalb dringend ein kurzfristiges Darlehen, um eine angebliche Liquiditätslücke zu überbrücken.
Die Bitten um Geld wiederholten sich jedoch immer häufiger. Laut Hutchcroft summierten sich die Überweisungen schließlich auf mehr als eine Million Pfund. Das Geld stammte aus dem Verkauf einer Immobilie und war eigentlich für Steuern, die Ausbildung ihres Enkels und ihre eigene Altersvorsorge gedacht.
Erst Freunde machten Hutchcroft darauf aufmerksam, wie viel Geld sie bereits überwiesen hatte. Sie wandte sich an die Polizei, doch die Behörden stuften den Fall zunächst als zivilrechtliche Streitigkeit ein.
Jahrelanger Rechtsstreit
Daraufhin zog Hutchcroft vor Gericht. Barrett wies die Vorwürfe zurück und behauptete in einer Gegenklage sogar, Hutchcroft schulde ihr Geld.
Der Rechtsstreit zog sich über Jahre hin. 2021 einigten sich beide Seiten schließlich außergerichtlich: Barrett verpflichtete sich, eine Million Pfund plus Zinsen zu zahlen, finanziert durch den Verkauf ihrer Londoner Wohnung.
Doch das Geld kam nicht. Nach einem weiteren Urteil des High Court im Jahr 2022 wuchs die Forderung inklusive Zinsen auf 1,6 Millionen Pfund. Hutchcroft erhielt lediglich 100.000 Pfund – danach blieb jede weitere Zahlung aus.
Weitere Vorwürfe und Verurteilungen
Die juristischen Probleme Barretts hörten damit nicht auf.
2024 musste sie erneut vor Gericht erscheinen. Ein Richter verurteilte sie zu einer viermonatigen Bewährungsstrafe, weil sie unter Eid über ihr Vermögen gelogen und gefälschte Dokumente eingereicht hatte. Außerdem sollte sie 100.000 Pfund Strafe zahlen – auch diese Summe blieb bislang unbeglichen.
Parallel geriet Barrett auch in Monaco ins Visier der Justiz. Dort wurde sie wegen Diebstahls von Designerstiefeln und Bargeld verurteilt. Sie bestreitet die Vorwürfe und hat gegen das Urteil Berufung eingelegt.
Schulden und drohende Zwangsversteigerungen
Mittlerweile verfolgen mehrere Gläubiger Barrett wegen offener Forderungen. Ein weiterer ehemaliger Bekannter hat in Liechtenstein erfolgreich eine Forderung über 2,7 Millionen Pfund gegen sie durchgesetzt.
Auch ihre Immobilien geraten zunehmend unter Druck: Sowohl ihre frühere Wohnung in London als auch ihr Apartment in Monte Carlo stehen wegen unbezahlter Hypotheken vor der Zwangsversteigerung.
Eine Frau voller Rätsel
Barrett selbst weist sämtliche Vorwürfe zurück. In einer schriftlichen Stellungnahme erklärte sie, die Anschuldigungen beruhten auf „falschen und irreführenden Informationen“ von Personen, die ihren Ruf beschädigen wollten.
Für Hutchcroft ist der Fall jedoch noch lange nicht abgeschlossen. Sie versucht weiterhin, Vermögenswerte Barretts aufzuspüren – unter anderem eine mutmaßliche Immobilie in Israel.
Acht Jahre nach der ersten Begegnung sagt sie:
„Ich kann nicht glauben, dass sie wirklich kein Geld mehr hat. Irgendwo muss noch ein verborgenes Vermögen sein.“
Der Fall zeigt, wie schnell eine scheinbar glamouröse Bekanntschaft zu einem teuren Albtraum werden kann.
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