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Lugano wird zur Bitcoin-Stadt: Wo man sogar den McCafé mit Krypto bezahlt

IgorShubin (CC0), Pixabay
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In Lugano ist die Zukunft nicht irgendwo am Horizont, sondern bereits im Alltag angekommen. Während Bitcoin in vielen Ländern vor allem als spekulative Anlage gilt, kann man in dieser südschweizerischen Stadt inzwischen fast alles damit bezahlen: den Kaffee bei McDonald’s, das Mittagessen im Bistro, neue Schuhe in der Boutique oder den Haarschnitt beim Friseur.

Der Alltagstest beginnt unscheinbar.
Im McDonald’s nahe des Seeufers – imposant eingebettet zwischen Bergen und Wasser – bestellt ein Kunde einen Kaffee. Seine Frage überrascht längst niemanden mehr:
„Kann ich mit Bitcoin bezahlen?“
Der Mitarbeiter nickt und reicht ein kleines Terminal, das äußerlich an ein Kartengerät erinnert, aber für Kryptowährungen umgerüstet ist.

Dieses Gerät ist nicht die Ausnahme, sondern die neue Norm.
Die Stadt Lugano hat im Rahmen ihrer „Plan B“-Initiative hunderte solcher Krypto-Terminals kostenlos an lokale Händler verteilt. Die Vision: eine funktionierende, alltagstaugliche Parallelökonomie, in der Bitcoin ähnlich selbstverständlich genutzt wird wie Schweizer Franken.

Eine Transaktion dauert nur wenige Sekunden. Der Kunde hält sein Smartphone mit einer Bitcoin-Wallet an das Terminal, der Betrag von 0,00008629 BTC – rund 8,80 Dollar – wird übertragen. Für die Verkäufer entsteht kein technologischer Aufwand; der Stadtverwaltung zufolge wird der volle Betrag in Franken gutgeschrieben, wenn Händler keine Bitcoin halten wollen.

Warum setzt Lugano auf Krypto?

Lugano gehört zu den wohlhabenden Städten Europas, doch die politische Führung will die Region auch als Innovationsstandort positionieren. Mit „Plan B“, einer Partnerschaft zwischen der Stadt und der Krypto-Plattform Tether, verfolgt Lugano drei strategische Ziele:

  1. digitale Währungen als alltägliches Zahlungsmittel

  2. Förderung von Start-ups und Krypto-Unternehmen

  3. Entwicklung öffentlicher Dienstleistungen auf Blockchain-Basis

Die Stadt akzeptiert bereits Steuern, Gebühren und Bußgelder in Bitcoin – ein radikaler Schritt, der weit über symbolische Akzente hinausgeht.

Ein Ökosystem wächst – mit Risiko und Pioniergeist

Mehr als 400 Geschäfte in Lugano akzeptieren inzwischen Bitcoin oder Tether (USDT). Es ist das weltweit dichteste Netz an realen Krypto-Zahlstellen. Besucher erleben eine Art experimentelle Zukunftsversion Europas: bargeldlos, dezentral und ohne den Umweg über Banken.

Doch wie bei jeder Innovation stellen sich kritische Fragen:

  • Wie volatil kann ein Zahlungsmittel sein, das an einem Tag zweistellig steigt und am nächsten genauso stark fällt?

  • Wie nachhaltig ist ein System, das auf private Initiativen angewiesen ist?

  • Und ist Lugano eine Blaupause für andere Städte – oder ein einmaliges Pilotprojekt?

Die Stadt setzt darauf, dass der erste Schritt der schwerste ist. Sobald Menschen sehen, dass Bitcoin einfach funktioniert, wächst das Vertrauen. Das Experiment der Schweiz zeigt bereits Wirkung: Start-ups siedeln sich an, internationale Delegationen reisen an, um das Modell zu studieren.

Der erste Ort in Europa, an dem Bitcoin wirklich im Alltag lebt

Was Lugano von anderen Städten unterscheidet, ist nicht die Technik – sondern der politische Wille.
Während anderswo diskutiert und reguliert wird, hat Lugano gehandelt. Die Stadt will nicht warten, bis Kryptowährungen „irgendwann einmal“ im Alltag ankommen. Sie will der Ort sein, an dem es beginnt.

Und so steht die kleine Stadt am Luganersee heute da als weltweit beachtetes Beispiel:
Ein Ort, an dem digitale Währungen aus dem Internet hinausgetreten sind – hinein in das echte Leben, bis hin zur Bestellung eines einfachen Kaffees.

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