Die als „Doomsday Mom“ bekannte Lori Vallow Daybell ist am 12. Juni von einem Geschworenengericht in Arizona für schuldig befunden worden, 2019 den versuchten Mord am Ex-Ehemann ihrer Nichte mitgeplant zu haben. Das Urteil fiel nach nur rund 30 Minuten Beratung – ein schneller Abschluss eines komplexen und düsteren Kapitels.
Der Fall markiert das Ende einer Reihe von Strafprozessen gegen Daybell, die mit mehreren Todesfällen im Umfeld der Familie in Verbindung steht – darunter ihr damaliger Ehemann, ihre beiden Kinder sowie die frühere Ehefrau ihres jetzigen Mannes Chad Daybell. Die Mordserien standen laut Anklage im Zusammenhang mit religiös-apokalyptischen Überzeugungen und finanziellen Motiven wie Lebensversicherungen.
Der aktuelle Fall: Ein Hinterhalt aus dem Jeep
Im Mittelpunkt des Prozesses in Arizona stand der Anschlag auf Brandon Boudreaux, den Ex-Mann von Daybells Nichte Melani Pawlowski. Boudreaux sagte aus, dass im Oktober 2019 aus einem Jeep auf ihn geschossen wurde – aus nächster Nähe, als er vor seinem Mietshaus ankam:
„Ich ließ das Auto ausrollen, dann öffnete sich das hintere Fenster. Ich sah den Lauf, hörte einen Knall – und dann war es nur noch Fluchtreflex.“
Boudreaux verdächtigte Alex Cox, den Bruder von Lori Vallow, und sie selbst – eine Vermutung, die sich im Prozess durch Mobilfunkdaten, Quittungen und Videoaufnahmen untermauerte. Cox, der mutmaßliche Schütze, ist inzwischen verstorben.
Daybell verteidigt sich selbst – und zweifelt alles an
Im Prozess trat Lori Vallow ohne Verteidigerteam auf und sprach auch nicht selbst als Zeugin. Stattdessen versuchte sie, Zweifel an der Beweislage zu streuen, unterstellte manipulierte Daten und lenkte die Aufmerksamkeit auf ihre Nichte Pawlowski – die angeblich finanziell vom Tod ihres Ex-Mannes profitiert hätte.
In ihrem Schlussplädoyer bezeichnete sie die Anklage als persönliche Fehde:
„Boudreaux hat entschieden, dass ich für seine Familientragödie verantwortlich bin – es tut mir leid, dass er das denkt.“
Ein langer Weg durch Mord, Wahn und Verschwörung
Bereits 2023 war Vallow Daybell in Idaho zu einer lebenslangen Haftstrafe verurteilt worden – wegen des Mordes an ihren Kindern Joshua „J.J.“ Vallow und Tylee Ryan sowie der Mitwirkung am Tod von Tammy Daybell, der ersten Frau ihres Ehemanns Chad. Auch im Fall ihres ermordeten Ehemanns Charles Vallow, der 2019 von Alex Cox erschossen wurde, wurde sie bereits in Arizona verurteilt.
Die Ermittler sprachen in all diesen Fällen von einem systematischen Plan, unliebsame Menschen „aus dem Weg zu räumen“, um ein Leben mit Chad Daybell zu führen – motiviert durch Geld, Machtfantasien und religiösen Fanatismus.
Ein endgültiges Ende?
Mit dem aktuellen Urteil ist der juristische Teil der tragischen Vallow-Daybell-Saga vorerst abgeschlossen – ein Fall, der True-Crime-Fans, Medien und Justiz gleichermaßen in Atem gehalten hat. Für die Angehörigen der Opfer bleibt die Hoffnung, dass nun – endlich – etwas Gerechtigkeit hergestellt wurde.
Kommentar hinterlassen