Im Fall der vermissten Nancy Guthrie, der Mutter der US-Journalistin und „Today“-Moderatorin Savannah Guthrie, haben Medienberichten zufolge Entführer eine Lösegeldforderung in Bitcoin gestellt. Sowohl das Promi-Portal TMZ als auch ein lokaler CBS-Sender aus Arizona gaben an, entsprechende Nachrichten mit der Forderung nach mehreren Millionen Dollar in der Kryptowährung erhalten zu haben. In den Mitteilungen soll auch eine konkrete Bitcoin-Adresse genannt worden sein, deren Existenz TMZ nach eigenen Angaben überprüft hat.
Während Ermittlungsbehörden die Echtheit der Forderungen weiterhin prüfen, stellt sich für viele Beobachter die Frage: Lässt sich ein Täter allein über eine Bitcoin-Adresse identifizieren?
Wie Bitcoin-Transaktionen funktionieren
Um Bitcoin zu empfangen oder zu versenden, benötigt man eine sogenannte Wallet, die mit einem privaten Schlüssel gesichert ist. Jede Wallet kann eine oder mehrere Bitcoin-Adressen erzeugen, vergleichbar mit einer E-Mail-Adresse. Laut der Informationsplattform Bitcoin.org sollte aus Datenschutzgründen idealerweise für jede Transaktion eine neue Adresse verwendet werden.
Zwar sind sämtliche Transaktionen öffentlich in der Blockchain einsehbar, doch die Adressen selbst sind pseudonym. Sie sind nicht automatisch mit Namen, E-Mail-Adressen oder Wohnorten verknüpft. Dadurch ist zwar sichtbar, wie viel Geld wohin fließt, nicht jedoch, wer dahintersteckt.
Warum Bitcoin für Lösegeldforderungen attraktiv ist
Kriminelle greifen bei Erpressungen häufig auf Kryptowährungen zurück, weil diese mehrere Vorteile bieten. Fachleute nennen vor allem die Schnelligkeit, die weltweite Verfügbarkeit und die Unumkehrbarkeit von Transaktionen. Zudem ist für die Nutzung von Bitcoin keine Identitätsprüfung erforderlich.
Ein weiterer Faktor: Täter können für jede Zahlung neue Adressen oder sogar neue Wallets nutzen, um Geldströme zu verschleiern. Auch technische Möglichkeiten zur Verschleierung des eigenen Internetstandorts, etwa durch spezielle Netzwerke, erschweren Ermittlungen zusätzlich.
Können Ermittler den Besitzer einer Bitcoin-Adresse finden?
Nach Einschätzung von Ken Gray, Professor für Kriminaljustiz an der University of New Haven und ehemaliger FBI-Agent, ist es äußerst schwierig, allein über eine Bitcoin-Adresse den Täter zu identifizieren. Kryptowährungen bewegen sich außerhalb des klassischen Bankensystems, wodurch direkte Zuordnungen fehlen.
„Bitcoin selbst führt nicht zur Person“, so Gray. Zwar könnten Zahlungen über Dienste wie PayPal oder Venmo leichter zurückverfolgt werden, doch Kryptowährungen erlauben den diskreten Transfer großer Geldbeträge – ohne physisches Bargeld und ohne klassische Finanzintermediäre.
Wie Ermittlungen dennoch ansetzen können
Trotzdem sind Ermittlungen nicht aussichtslos. In zahlreichen Fällen konnten Strafverfolgungsbehörden Kryptowährungen sicherstellen oder Täter identifizieren – allerdings meist über indirekte Spuren. Dazu zählen etwa E-Mails, Telefonkontakte oder andere digitale und physische Hinweise, die letztlich zu einer Person führen.
Im Fall Guthrie könnten die Lösegeldnachrichten selbst ein Ansatzpunkt sein. Ermittler analysieren dabei unter anderem technische Details der Kommunikation. Allerdings gilt auch hier: Professionelle Täter nutzen oft anonyme E-Mail-Dienste und mehrere technische Umwege, was die Nachverfolgung erheblich erschwert.
Fazit
Bitcoin bietet Kriminellen bei Erpressungen einen gewissen Schutz durch Anonymität und technische Komplexität. Eine einzelne Bitcoin-Adresse reicht in der Regel nicht aus, um Täter zu identifizieren. Ermittlungen konzentrieren sich daher meist auf Begleitspuren außerhalb der Blockchain. Der Fall Guthrie zeigt einmal mehr, warum Kryptowährungen bei schweren Straftaten eine zentrale Rolle spielen – und zugleich, wo die Grenzen klassischer Ermittlungsarbeit liegen.
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