Seit der Tötung von Alex Pretti durch Bundesagenten in Minneapolis am 24. Januar verzeichnen mehrere linke und progressive Waffengruppen in den USA einen sprunghaften Anstieg an Mitgliedsanfragen und Schulungen. Die Ereignisse rund um Prettis Tod haben eine politische Dynamik ausgelöst, bei der zunehmend auch linke, queere und BIPoC-Communities zum Waffenbesitz greifen – eine Entwicklung, die das traditionelle Bild des konservativen, weißen Waffenbesitzers ins Wanken bringt.
„Das hat auf der linken Seite die Perspektive verändert“, sagt Lara Smith, Sprecherin des Liberal Gun Club. Sie sieht, wie sich zunehmend Menschen bewaffnen, die sich zuvor vom Thema ferngehalten hatten.
Alex Pretti, ein beliebter Intensivpfleger und Umweltaktivist, war legal bewaffnet, als er von Bundesagenten entwaffnet und erschossen wurde. Der Vorfall löste nicht nur Proteste, sondern auch eine neue Welle der Selbstermächtigung aus – viele sehen Waffenbesitz als Schutz vor einem zunehmend aggressiven Staatsapparat, insbesondere durch das harte Vorgehen von ICE und anderen Behörden unter Donald Trumps zweiter Amtszeit.
Kurse ausgebucht, neue Gruppen entstehen
In Los Angeles sind die Kurse der Progressive Shooters bis März ausgebucht. Bei Pink Pistols Twin Cities, einer queeren Selbstschutzgruppe, stieg die Zahl der Teilnehmenden von durchschnittlich fünf auf 25 pro Kurs. In Städten wie Chicago, Sacramento und Des Moines gründen sich neue Initiativen wie Ready Rainbow und Solidarity Defense.
„Die Leute sind wütend und verängstigt“, sagt Jordan Levine von A Better Way 2A, einer inklusiven Waffen-Community. „Sie wollen das Machtgefälle ausgleichen, das sie täglich in den Nachrichten sehen.“
Trump spaltet auch die Waffenlobby
Die Reaktionen auf Prettis Tod offenbaren eine tiefe Kluft innerhalb der Waffenlobby. Viele Trump-Anhänger zeigen sich erstmals irritiert über dessen Positionen. Aussagen wie die von Pressesprecherin Karoline Leavitt – dass das Tragen einer Waffe bei polizeilichen Einsätzen automatisch das Risiko von Gewalt erhöhe – empören selbst libertäre Waffennarren wie Maj Toure von Black Guns Matter: „Wenn du bewaffnet und gegen die Regierung bist, wirst du jetzt sofort als Krimineller gesehen.“
Historische Parallelen und neue Allianzen
Beobachter erinnern an die Black Panther Party der 1960er-Jahre, die bei „Copwatch“-Einsätzen ebenfalls bewaffnet war – was damals zur Verschärfung des Waffenrechts durch Ronald Reagan führte, mit Unterstützung der NRA.
„Wenn Rechte über Tyrannei reden, meinen sie eigentlich nur die Tyrannei, die ihnen nicht passt,“ sagt Levine. Heute sehen sich viele Linke, Frauen, Queers und People of Color gezwungen, dasselbe Recht auf Selbstschutz einzufordern – mit Waffen.
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