Ein tragischer Fall von Online-Betrug zeigt erneut, wie geschickt Romance-Scammer vorgehen: Eine 76-jährige Frau aus Deutschland wurde Opfer eines Liebesbetrugs und verlor dabei nicht nur mehrere tausend Euro – sondern fast ihr gesamtes bisheriges Leben.
Seit Jänner 2024 stand die Frau mit einem Mann in Kontakt, der sich online als österreichischer Entertainer ausgab. Der vermeintliche Charmeur gewann rasch ihr Vertrauen und baute eine emotionale Bindung auf – mit der üblichen Masche: Zuerst Komplimente, dann vermeintliche Notlagen.
Von der Romanze zum finanziellen Albtraum
Schon bald begann der Mann, um finanzielle Hilfe zu bitten. Immer wieder erfand er glaubwürdige Geschichten über angeblich dringende Geldprobleme, verlorene Aufträge oder blockierte Konten. Die 76-Jährige wollte helfen – und schickte ihm Gutscheincodes und Geschenkkarten im Wert von mehreren tausend Euro.
Doch dabei blieb es nicht. Der Betrüger überzeugte sie, ihre Wohnung in Deutschland zu kündigen, um zu ihm nach Österreich zu ziehen. In der Hoffnung auf ein gemeinsames Leben beauftragte die Seniorin sogar ein Speditionsunternehmen, das ihren gesamten Hausrat nach Kärnten brachte.
Die bittere Wahrheit in Kärnten
Als sie schließlich in Kärnten ankam, wartete niemand auf sie. Keine Adresse, kein Empfang – und kein Entertainer. Erst dort wurde der 76-Jährigen klar, dass sie einem Betrüger aufgesessen war.
Die Frau blieb mit ihrem kompletten Hab und Gut gestrandet zurück. Nur mit Hilfe von Bekannten und den Behörden konnte sie die Rückreise nach Deutschland antreten.
Ermittlungen laufen – Täter unbekannt
Die Polizei hat Ermittlungen aufgenommen, doch der Täter ist bislang unbekannt. Wie in vielen Fällen agierte er vermutlich aus dem Ausland, möglicherweise über gefälschte Profile und verschleierte IP-Adressen.
Ein wachsendes Phänomen – vor allem bei älteren Menschen
Love-Scamming ist längst kein Einzelfall mehr: Immer häufiger werden ältere Menschen Opfer solcher emotional ausgeklügelten Betrugsmaschen. Die Täter nutzen Einsamkeit und Sehnsucht nach Nähe aus – mit oft verheerenden Folgen.
Verbraucherschützer warnen, nie Geld oder Wertkarten an Online-Bekanntschaften zu senden – egal, wie überzeugend die Geschichte klingt. Auch Fotos oder Videotelefonate sind keine Garantie, dass die Person echt ist: Viele Betrüger verwenden gestohlene Bilder oder künstlich generierte Profile.
Eine Lehre aus Kärnten
Der Fall der 76-Jährigen ist ein schmerzhaftes Beispiel für die zerstörerische Macht digitaler Täuschung. Eine Frau, die an Liebe glaubte, verlor fast alles – nur, weil sie dem falschen Menschen vertraute.
Am Ende bleibt ihr immerhin die Erkenntnis, dass sie nicht allein ist. Und die Hoffnung, dass ihre Geschichte andere vor demselben Schicksal bewahren kann.
Kommentar hinterlassen