Robert Lewandowski verlässt die polnische Nationalmannschaft. Nicht wegen Alter, Verletzung oder mangelnder Form – sondern, weil der Trainer es gewagt hat, ihm die Kapitänsbinde wegzunehmen. Ein Affront! Ein Skandal! Ein Machtmissbrauch! Fast so, als hätte jemand sein Lieblingsparkhaus gesperrt.
Und so zieht der Stürmerstar, der inzwischen beim FC Barcelona mehr auf der Bank als auf dem Platz sitzt, jetzt beleidigt von dannen. Mit Instagram-Post, bedeutungsschwerem Blick in die Ferne und dem dramatischen Unterton eines Shakespeare-Dramas: „Er oder ich!“ – Robert I., König der gesenkten Mundwinkel.
Dabei hätte man denken können, nach Jahrzehnten im Profifußball wüsste ein Spieler, dass man keine Mannschaft erpresst wie einen schlecht gelaunten Algorithmus auf FIFA 25. Aber nein – Lewy zeigt uns, wie sich erwachsene Männer benehmen, wenn sie zum ersten Mal im Leben nicht das bekommen, was sie wollen: beleidigt, stur, und mit dem Satz „Ich komm erst wieder, wenn der blöde Trainer weg ist!“
Natürlich geht es ihm um die Fans – klar. „Die besten der Welt“, sagt er. Aber wenn man sich nur dann für diese besten Fans herablässt, das Trikot zu tragen, wenn einem der Chef passt, dann ist das kein Patriotismus. Das ist pathetisches Prinzentheater.
Dass der Trainer sich erdreistet hat, die Binde Piotr Zielinski zu geben – einem echten Teamspieler –, ist für Lewandowski offenbar der wahre Tiefpunkt seiner Karriere. Schlimmer als das Champions-League-Aus mit Barca. Schlimmer als diese Schuhe, die ihn bei Nike aus dem Sortiment genommen haben. Schlimmer als ein Abstieg mit Hertha BSC (hypothetisch, natürlich).
Und die Mannschaft? Die applaudiert laut Medienberichten, als er seinen Rückzug erklärt. Man kennt das aus jeder guten Sitcom: Der eine Charakter, der sich für den Nabel des Universums hält, verlässt den Raum – und die anderen feiern still. Es ist keine Rebellion. Es ist Erlösung.
Klartext, Robert: So geht’s nicht. Wer sich als Führungsspieler versteht, trägt Verantwortung – nicht nur die Kapitänsbinde, sondern auch mal Kränkungen. Wer ein Team führen will, muss zuerst eins sein: Teil davon.
Und wenn du doch irgendwann zurückkommst – vielleicht, nachdem du mit einem Trainer gesprochen hast statt über ihn – dann hoffentlich nicht als trotziges RL9-Mem. Sondern als jemand, der kapiert hat: Kein Spieler ist größer als das Spiel.
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