Für wohnungslose Menschen kann der Winter lebensgefährlich werden – besonders dann, wenn sie tagsüber keinen geschützten Ort finden. In Leipzig sind die städtischen Notunterkünfte normalerweise nur nachts geöffnet. Nun hat die Stadt angekündigt, ihre sechs Einrichtungen ausnahmsweise von Samstag bis einschließlich Montag rund um die Uhr zu öffnen. Danach gilt wieder: Um 8 Uhr morgens müssen die Betroffenen die Unterkunft verlassen.
Das bedeutet für viele: ganze Tage in der Kälte verbringen – oft ohne Alternative. Einige versuchen, sich in Einkaufszentren aufzuhalten, andere laufen stundenlang durch die Stadt, um nicht zu frieren. Tagesstruktur entsteht allenfalls durch Termine beim Amt oder durch die Suche nach Arbeit – doch das ersetzt keinen sicheren Aufenthaltsort.
Leipzigs Unterkünfte sind regelmäßig voll belegt. Laut statistischem Landesamt sind rund 1.000 Menschen wohnungslos, die tatsächliche Zahl dürfte weit darüber liegen. Zusätzlich zur Stadt bieten Einrichtungen wie Hostels oder kirchliche Organisationen begrenzte Hilfe an – viele davon sind jedoch ebenfalls überfüllt.
Im Gegensatz zu Leipzig zeigen andere Städte in der Region mehr Flexibilität: In Eilenburg, Schkeuditz, Oschatz oder Torgau sind ganztägig nutzbare Notunterkünfte längst etabliert. Auf Anfrage, warum Leipzig keine dauerhafte Tagesöffnung ermögliche, gab die Stadt bislang keine Antwort.
Die Stadt verweist stattdessen auf bestehende Angebote wie die Bahnhofsmission, Wärmestuben und die Verteilung von Schlafsäcken oder Notfallrucksäcken. Für viele Betroffene reicht das jedoch nicht aus. Der Wunsch nach dauerhaft geöffneten, sicheren Rückzugsorten bleibt bestehen.
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